Russischer Staatsanwalt Sergej Semtschenko in Moskau erschossen

Russischer Staatsanwalt Sergej Semtschenko in Moskau erschossen

Staatsanwalt in Moskauer Wohnung getötet

Der stellvertretende Leiter der Abteilung für die Überwachung der Ermittlungstätigkeit der Staatsanwaltschaft der Stadt Moskau, Sergej Semtschenko, wurde am 28. Dezember 2025 in seiner Wohnung im Haus 5 an der Akademika Kapitsy-Straße im Südwesten Moskaus erschossen. Die Leiche des 43-Jährigen wurde gegen 21:30 Uhr Ortszeit von seiner Ehefrau aufgefunden. Nach Angaben des Untersuchungskomitees Russlands wurde Semtschenko durch mehrere Schüsse aus einer nicht registrierten Schusswaffe getötet.

Ermittlungen zu Wirtschaftsdelikten

Zum Zeitpunkt seines Todes leitete Semtschenko laut offiziellen Angaben mehrere hochrangige Ermittlungsverfahren. Dazu gehörten Fälle von Betrug im großem Umfang und Unterschlagung in der Bau- und Finanzbranche. Ein konkretes Verfahren betraf mutmaßliche Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Aufträgen für den Bau des Moskauer Zentralrings im Wert von umgerechnet mehreren hundert Millionen Euro. Ein Sprecher der Moskauer Staatsanwaltschaft bestätigte gegenüber der Agentur TASS, dass Semtschenko „eine Reihe sensibler Fälle“ bearbeitete, lehnte jedoch eine detaillierte Stellungnahme mit Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren zu seinem Tod ab.

Keine Festnahmen, Motive unklar

Bis zum 3. Januar 2026 hat die Polizei keine Verdächtigen im Zusammenhang mit der Tat festgenommen. Das Untersuchungskomitee prüft laut eigenen Angaben mehrere Ermittlungslinien, darunter einen möglichen beruflichen Zusammenhang, eine Verwicklung in kriminelle Aktivitäten oder einen persönlichen Konflikt. Die Wohnungstür wies keine Spuren eines Einbruchs auf. Ein Nachbar aus der dritten Etage gab gegenüber Reportern der Zeitung „Moskowski Komsomolez“ an, gegen 20:45 Uhr „knallende Geräusche, wie von Feuerwerkskörpern“ gehört zu haben.

Vorgeschichte von Angriffen auf Amtsträger

Der Mord an einem aktiven Staatsanwalt in der Hauptstadt ist ein seltener Vorfall. Im September 2024 war im Gebiet Swerdlowsk der stellvertretende Leiter einer Bezirksstaatsanwaltschaft, Alexander K., bei einem Angriff schwer verletzt worden. Im März 2023 wurde in St. Petersburg der ehemalige stellvertretende Generalstaatsanwalt der Region, Wladimir T., in seinem Auto erschossen. Das russische Strafgesetzbuch (Artikel 105) sieht für Mord eine Freiheitsstrafe von sechs bis fünfzehn Jahren vor. Bei der Tötung eines Amtsträgers im Zusammenhang mit seiner Dienstausübung kann die Strafe verschärft werden.

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