Einleitung
Am 10. Januar 2026 begann ein bundesweiter Streik von rund 150.000 Lager- und Logistikmitarbeitern des Online-Handelsriesen Amazon. Die von der Gewerkschaft Amazon Labor Union (ALU) organisierte Arbeitsniederlegung legte mindestens 12 der größten Fulfillment Center des Konzerns in den USA, darunter die Standorte JFK8 auf Staten Island, New York, und ONT8 in San Bernardino, Kalifornien, vollständig lahm.
Chronologie und Details
Der Streik begann um 06:00 Uhr Ortszeit an den jeweiligen Standorten. Die ALU-Vorsitzende, Christian Smalls, gab am 10. Januar vor dem JFK8-Zentrum bekannt, dass die Belegschaften eine sofortige Lohnerhöhung auf mindestens 30 US-Dollar pro Stunde sowie die Abschaffung der produktivitätsbezogenen Überwachungssysteme fordern. Aktuell liegt der Einstiegslohn bei Amazon laut Unternehmensangaben zwischen 17 und 28 US-Dollar, abhängig vom Standort.
Die Geschäftsführung unter CEO Andy Jassy wies die Forderungen am 11. Januar als „unrealistisch und wirtschaftsschädigend“ zurück. Ein Unternehmenssprecher teilte mit, der Streik führe zu „signifikanten Verzögerungen“ in der Lieferkette. Der Betrieb in den betroffenen Zentren, die jeweils mehrere tausend Mitarbeiter beschäftigen, sei zum Erliegen gekommen. Die Gewerkschaft berief sich auf eine interne Mitgliederbefragung, bei der 89% der teilnehmenden Beschäftigten für den Streik gestimmt hätten.
Hintergrund
Der aktuelle Streik ist der bisher größte und koordinierteste in der Geschichte des Unternehmens in den USA. Er folgt auf eine Reihe lokaler Arbeitskämpfe, darunter die erfolgreiche Gründung der ersten gewerkschaftlich organisierten Belegschaft am Standort JFK8 im April 2022 unter Führung von Christian Smalls. Seitdem hat die ALU ihre Organisierung auf weitere Standorte ausgeweitet.
Auslöser der aktuellen Eskalation ist nach Gewerkschaftsangaben die Ankündigung Amazons vom 5. Dezember 2025, die Produktivitätsziele in den Lagern um durchschnittlich 15% zu erhöhen, ohne entsprechende Lohnanpassungen vorzunehmen. Die ALU kritisiert zudem die Praxis der „Time off Task“-Überwachung, bei der jede Pause außerhalb der festgelegten Zeiten automatisch erfasst und sanktioniert werden kann. Ein Gesetzentwurf im US-Repräsentantenhaus („Warehouse Worker Protection Act“, H.R. 8732), der solche Überwachungssysteme einschränken soll, liegt seit November 2025 im Ausschuss.
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