Bei landesweiten Protesten gegen ein neues Arbeitsgesetz sind am 23. Januar 2026 in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi mindestens 127 Gewerkschaftsaktivisten festgenommen worden. Die Polizei setzte am zentralen Protestort am Jantar Mantar, einer traditionellen Demonstrationszone, Wasserwerfer und Tränengas ein, nachdem Demonstranten versucht hatten, Absperrungen zu durchbrechen.
Chronologie der Ereignisse
Die Proteste begannen um 10:00 Uhr Ortszeit vor dem Parlamentsgebäude am Sansad Marg. Führende Vertreter von zehn großen Gewerkschaftsbünden, darunter Amarjeet Kaur von der All India Trade Union Congress (AITUC) und Harbhajan Singh Sidhu von der Hind Mazdoor Sabha (HMS), hielten Ansprachen vor einer nach Polizeiangaben zunächst 5.000-köpfigen Menge. Gegen 13:30 Uhr bewegte sich ein Teil der Demonstranten, etwa 2.000 Personen, in Richtung der Wohnsitze mehrerer Minister im Lutyens‘ Delhi-Viertel. An der Kreuzung Akbar Road und Tughlaq Road stoppte die Polizei den Zug mit Metallbarrikaden.
Eskalation und Festnahmen
Laut einem Augenzeugenbericht von Rajesh Kumar, einem Journalisten der „Indian Express“, begann die Eskalation um 14:15 Uhr, als etwa 300 Aktivisten versuchten, die Absperrungen zu überwinden. Die Polizei unter dem Kommando von Deputy Commissioner of Police (New Delhi) Ranveer Singh Rathore setzte daraufhin zunächst Warnschüsse in die Luft und dann Tränengas ein. Zwischen 14:30 und 16:00 Uhr wurden 127 Personen festgenommen. Die Polizei bestätigte die Zahl und nannte als Hauptvorwurf „Verstoß gegen Auflagen“ und „Widerstand gegen die Staatsgewalt“. 15 Polizisten und mindestens 30 Demonstranten wurden nach Angaben des Ram Manohar Lohia Krankenhauses leicht verletzt.
Hintergrund: Das umstrittene Arbeitsgesetz
Die Proteste richten sich gegen den „Industrial Relations Code (Amendment) Bill, 2026“, der am 20. Januar von der Lok Sabha verabschiedet wurde. Das Gesetz erleichtert Unternehmen mit bis zu 300 Arbeitnehmern (bisher 100) Entlassungen ohne vorherige staatliche Genehmigung. Zudem wird der rechtliche Rahmen für die Anerkennung von Gewerkschaften verschärft. Die Gewerkschaften argumentieren, dies untergrabe die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer und führe zu willkürlichen Kündigungen. Es ist der dritte große Protesttag seit Verabschiedung des Gesetzes; bereits am 21. Januar kam es zu Arbeitsniederlegungen in den Industriestädten Gurugram und Pune, an denen sich laut Gewerkschaftsangaben über 500.000 Beschäftigte beteiligten.
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