Iranische Sicherheitskräfte lösen Proteste in Teheraner Universität mit Tränengas auf, 23 Festnahmen

Iranische Sicherheitskräfte lösen Proteste in Teheraner Universität mit Tränengas auf, 23 Festnahmen

Polizeieinsatz gegen Studierendenprotest

Am 2. Januar 2026, gegen 14:30 Uhr Ortszeit, drangen Einheiten der iranischen Sicherheitskräfte und der Basij-Miliz auf den Campus der Universität Teheran ein, um eine nicht genehmigte Versammlung von Studierenden aufzulösen. Nach Angaben des staatlichen Nachrichtensenders IRNA wurden dabei 23 Personen festgenommen. Augenzeugen berichteten von einem massiven Einsatz von Tränengas auf dem zentralen Universitätsplatz, der zu einer vorübergehenden Evakuierung mehrerer Lehrgebäude führte.

Chronologie der Ereignisse

Die Zusammenkunft hatte sich um 13:00 Uhr vor dem Hauptgebäude der Fakultät für Sozialwissenschaften gebildet. Laut dem Universitätskanzler, Mohammad Moqimi, handelte es sich ursprünglich um eine friedliche Mahnwache von etwa 150 Studierenden, die an den Tod des ehemaligen politischen Gefangenen Farhad Meysami erinnern wollten. Meysami war am 28. Dezember 2025 im Evin-Gefängnis an den Folgen eines Hungerstreiks gestorben. Gegen 14:00 Uhr forderte die Universitätsleitung über Lautsprecher die Auflösung der Versammlung. Als die Studierenden, darunter die Organisatorin und Doktorandin Narges Mohammadi, der Aufforderung nicht nachkamen, rückten Sicherheitskräfte ein. Der Einsatz dauerte etwa 45 Minuten.

Hintergrund: Gesetzeslage und vorherige Vorfälle

Die Versammlung verstieß gegen Artikel 610 des Islamischen Strafgesetzbuches, der nicht genehmigte Zusammenkünfte mit dem Ziel, „die nationale Sicherheit zu gefährden“, unter Strafe stellt. Das Innenministerium begründete den Einsatz in einer offiziellen Stellungnahme mit der Verhinderung von „Chaos und Aufruhr“. Der Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Zwischenfälle an iranischen Hochschulen ein. Erst am 7. Dezember 2025 waren an der Scharif-Universität für Technologie 17 Studierende nach einer Gedenkveranstaltung für bei früheren Protesten getötete Kommilitonen festgenommen worden. Die Universität Teheran war bereits während der landesweiten Proteste nach dem Tod von Mahsa Amini im September 2022 ein zentraler Schauplatz von Demonstrationen und deren gewaltsamer Niederschlagung.

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