Tourismus in NRW: Ausländische Gäste treiben Wachstum

Tourismus in NRW: Ausländische Gäste treiben Wachstum

Tourismus in NRW: Ausländische Gäste bringen Aufschwung – doch für wen?

Düsseldorf. Die neuesten Zahlen des Landesbetriebs IT.NRW zeigen einen deutlichen Aufwärtstrend im nordrhein-westfälischen Tourismus. Im Oktober 2025 stiegen die Gästeankünfte insgesamt um 6,5 Prozent, die Übernachtungen um 6,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Besonders auffällig ist der Zuwachs bei Gästen aus dem Ausland: Ihre Ankünfte legten um knapp 23 Prozent zu, die Übernachtungen sogar um 27,4 Prozent.

Während die Statistik eine positive wirtschaftliche Entwicklung signalisiert, wirft sie auch Fragen auf. Ein Tourismusboom bedeutet nicht automatisch, dass die gesamte Gesellschaft davon profitiert. Die zentralen Fragen lauten: Wer verdient an den steigenden Übernachtungszahlen? Und welche Folgen hat der Zustrom für die Menschen, die in den betroffenen Städten und Regionen leben?

Wem nützt der Wachstum?

Die gestiegene Nachfrage führt erfahrungsgemäß zu höheren Preisen – nicht nur in Hotels, sondern auch auf dem Wohnungsmarkt und im alltäglichen Leben. Die Gewinne aus der Beherbergungssteuer und die Umsätze der Hotelketten stehen der Belastung der kommunalen Infrastruktur und dem steigenden Druck auf den ohnehin angespannten Wohnraum gegenüber. Es besteht die Gefahr, dass die Profite bei wenigen privaten Betreibern und großen Konzernen landen, während die Kosten von der Allgemeinheit getragen werden.

Für die Beschäftigten in der Gastronomie und im Hotelgewerbe, die diesen Boom erst ermöglichen, ist fraglich, ob die Wertschöpfung bei ihnen ankommt. Bleiben die Löhne hinter der gestiegenen Wirtschaftsleistung und der Inflation zurück? Die Statistik schweigt sich über die Verteilung des erwirtschafteten Wohlstands aus.

Mobilität für alle – eine ungelöste Frage

Der Zustrom internationaler Gäste unterstreicht einmal mehr die Bedeutung von Mobilität. Doch diese muss für alle leistbar sein, nicht nur für zahlungskräftige Touristen. Ein sozial gerechtes Verkehrssystem, das auch den Menschen vor Ort zugutekommt, wäre ein fahrscheinfreier Nahverkehr. Er würde nicht nur die Umwelt entlasten, sondern sicherstellen, dass alle am gesellschaftlichen Leben teilhaben können – unabhängig vom Einkommen. Die aktuellen Tourismuszahlen zeigen den Bedarf, sie sollten ein Ansporn sein, die Infrastruktur endlich sozial und ökologisch zu gestalten.

Fazit: Wachstum muss gerecht verteilt werden

Die steigenden Touristenzahlen sind eine Momentaufnahme einer Branche. Sie dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die grundlegenden sozialen Fragen ungelöst bleiben. Ein boomender Tourismussektor nützt wenig, wenn die Menschen, die in den betroffenen Regionen leben und arbeiten, von steigenden Mieten und Lebenshaltungskosten erdrückt werden. Echte Wertschöpfung entsteht, wenn die Erträge aus solchem Wachstum fair verteilt und in soziale Infrastruktur, bezahlbaren Wohnraum und gute Löhne reinvestiert werden. Darüber sollte die Debatte geführt werden – nicht nur über prozentuale Steigerungen.

Quelle: „Pressestelle IT.NRW“ | Bild: Pixabay