Ruhrgebiet im Umbruch: Ein Blick auf die aktuelle Lage
Das Ruhrgebiet, einst das industrielle Herz Deutschlands, befindet sich weiterhin in einem tiefgreifenden Wandel. Geprägt von Maloche, Fußball und einer ganz eigenen politischen Kultur, steht die Region vor großen Herausforderungen, aber auch Chancen.
Politische Landschaft: SPD unter Druck, AfD erstarkt
Die politische Landschaft im Ruhrgebiet ist im Umbruch. Die SPD, einst unangefochtene Kraft in der Region, hat bei den letzten Kommunalwahlen erhebliche Verluste hinnehmen müssen. In Städten wie Dortmund regiert nun erstmals seit Jahrzehnten ein CDU-Bürgermeister. Gleichzeitig konnte die AfD ihre Position deutlich ausbauen und ist in einigen Städten wie Gelsenkirchen, Hagen und Duisburg sogar in Stichwahlen um das Oberbürgermeisteramt vertreten. Beobachter sehen den Grund für den Aufstieg der AfD unter anderem in der Mobilisierung von Wählern durch eine starke Präsenz in den sozialen Medien und der Ansprache von Themen wie Migration und Sicherheit.
Die Kommunalwahl in NRW im September 2025 offenbarte eine gewisse Ratlosigkeit unter den Wählern. Die CDU ging als stärkste Kraft hervor, während die SPD Stimmen verlor. Die AfD konnte ihr Ergebnis im Vergleich zu den vorherigen Kommunalwahlen fast verdreifachen. In einigen Städten des Ruhrgebiets lieferten sich SPD und AfD ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
Arbeitsmarkt: Leichte Entspannung, aber weiterhin Herausforderungen
Im Juni 2026 verzeichnete das Ruhrgebiet (ohne Kreis Wesel) als einzige Region in NRW einen leichten Rückgang der Arbeitslosenquote. Die Zahl der Arbeitslosen sank im Vergleich zum Vormonat um 0,3 Prozent auf 220.710. Trotz dieser positiven Entwicklung bleibt die Arbeitsmarktlage angespannt. Insbesondere geringqualifizierte Personen haben weiterhin Schwierigkeiten, einen Arbeitsplatz zu finden. Die höchsten Arbeitslosenquoten verzeichnen weiterhin die kreisfreien Städte Gelsenkirchen und Duisburg.
Der Strukturwandel stellt den regionalen Arbeitsmarkt vor Herausforderungen. Es gibt zu wenige neue Stellen und anhaltende Schwierigkeiten, Arbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.
Infrastruktur: Generalsanierung der Bahnstrecke
Die Deutsche Bahn (DB) hat erste Bauaufträge für die Generalsanierung der Strecke zwischen Hagen und Köln vergeben. Die Bauarbeiten sollen von Februar bis Juli 2026 stattfinden. Im Zuge der Sanierung werden Gleise, Weichen und Brücken erneuert sowie zwölf Stationen modernisiert. Ziel ist es, die Infrastruktur langfristig leistungsfähiger zu machen und die Pünktlichkeit des Zugverkehrs zu verbessern.
Ab dem 9. Januar 2026 kommt es aufgrund von Bauarbeiten im Kreuz Kaiserberg zwischen Mülheim und Duisburg sowie Düsseldorf zu Umleitungen und Ausfällen im Zugverkehr.
Die großen Infrastrukturprojekte A-Nord und Ultranet sollen das Ruhrgebiet direkt in das neue Übertragungssystem integrieren. Der Ultranet soll Ende 2026 in Betrieb gehen.
Soziale Lage: Armut und Ausgrenzung
Trotz einzelner Erfolge bleibt das Ruhrgebiet eine Region mit sozialen Problemen. Ein hoher Anteil der Bevölkerung ist von Armut betroffen, insbesondere Kinder. Es besteht die Gefahr, dass sich soziale Brennpunkte bilden, in denen Menschen leben, die auf Sozialhilfe angewiesen sind.
Die Integration von Zuwanderern aus Südosteuropa stellt die Kommunen vor Herausforderungen. Viele Zuwanderer arbeiten unterhalb der Niedriglohnschwelle und sind trotz Erwerbstätigkeit auf soziale Leistungen angewiesen.
Rechtsextremismus: Bedrohung der Demokratie
Rassismus und Rechtsextremismus stellen eine Bedrohung für die Demokratie dar. In Oberhausen wird es im September 2026 eine Demokratiewoche geben, um für ein respektvolles Miteinander zu werben. Vom 16. bis 29. März 2026 finden die Internationalen Wochen gegen Rassismus unter dem Motto „100% Menschenwürde – Gemeinsam gegen Rassismus und Rechtsextremismus“ statt.
Ausblick: Herausforderungen und Chancen
Das Ruhrgebiet steht vor einem entscheidenden Jahrzehnt. Globalisierung, Digitalisierung, demografischer Wandel und soziale Polarisierung setzen die Region unter Handlungsdruck. Um im Wettbewerb der Regionen bestehen zu können, ist eine arbeitsteilige Kooperation der Städte notwendig.
Trotz aller Herausforderungen gibt es auch positive Entwicklungen. Das Ruhrgebiet hat sich von einer industriellen Hochburg zu einer vielfältigen und zukunftsorientierten Region entwickelt. Investitionen in Innovation und Technologie haben dazu beigetragen, dass sich die Region als Zentrum für Forschung und Entwicklung etabliert hat.
Mit Projekten wie „Urbane 34“ soll das Ruhrgebiet zu einer „enkelfreundlichen“ Metropole des 21. Jahrhunderts werden. Das Projekt zielt darauf ab, das Ruhrgebiet als Vorreiter des europäischen Metropolenwandels zu etablieren und einen Beitrag zum European Green Deal zu leisten.
Bildquelle: Pixabay – Dieser Beitrag wurde erstellt von Redaktion Ruhr



