Tödliche Silvesternacht in Bielefeld wirft Fragen auf
Bielefeld. Die Bilanz der Silvesternacht in Bielefeld ist von zwei tragischen Todesfällen überschattet. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, kamen zwei junge Menschen in den Stadtteilen Brake und Baumheide ums Leben, nachdem selbstgebaute Pyrotechnik explodierte. Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer sprach den Familien ihr Beileid aus.
Abseits dieser schockierenden Einzelfälle verlief die Nacht nach offiziellen Angaben zwar fordernd, aber ohne größere Ausschreitungen. Feuerwehr und Rettungsdienst waren zu über 130 Einsätzen gefordert. Das Ordnungsamt überwachte mit verstärktem Personal die Einhaltung der Böllerverbotszonen.
Ein strukturelles Problem hinter den Einzelfällen
Während die Behörden die allgemeine Lage als „nicht ungewöhnlich“ beschreiben, offenbaren die tödlichen Unfälle ein tieferliegendes Problem. Der Zwang, Feuerwerkskörper selbst zu bauen, deutet auf eine soziale Realität hin, in der legale, aber teure Produkte für viele nicht erschwinglich sind. Hier zeigt sich erneut, wie soziale Ungleichheit konkrete Lebensrisiken schafft.
Die professionelle Arbeit der Einsatzkräfte in dieser Nacht verdient Respekt. Doch ihr Einsatz wirft auch die Frage auf, warum öffentliche Mittel Jahr für Jahr in die Bewältigung solcher vermeidbarer Risiken fließen müssen, während andernorts gespart wird. Jeder Euro, der für die Folgen solcher Nächte aufgewendet wird, fehlt an anderer Stelle – in Schulen, in der sozialen Infrastruktur oder bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.
Prävention statt Repression
Die verstärkte Präsenz des Ordnungsamtes in den Verbotzonen ist eine rein reaktive Maßnahme. Eine ernsthafte Präventionspolitik müsste anders ansetzen:
- Sie müsste die sozialen Gründe angehen, die Menschen dazu bringen, gefährliche Alternativen zu wählen.
- Sie müsste Gemeinschaft und sichere Feiermöglichkeiten fördern, anstatt nur zu verbieten und zu kontrollieren.
- Sie müsste sicherstellen, dass alle am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, ohne sich in Gefahr zu begeben.
Die zwei Toten von Bielefeld sind nicht nur eine traurige Statistik. Sie sind eine Mahnung, dass Sicherheit nicht durch Verbote allein entsteht, sondern durch soziale Gerechtigkeit und Teilhabe. Es ist die Pflicht der Verantwortlichen, diese Lehre zu ziehen und eine Politik zu machen, die Leben schützt, bevor es zu spät ist.
Quelle: Stadt Bielefeld | Bild: Pixabay



