Landtag gedenkt des Brandanschlags in Lübeck vor 30 Jahren

Landtag gedenkt des Brandanschlags in Lübeck vor 30 Jahren

Einladung an die Medien: Brandanschlag in der Lübecker Hafenstraße – Veranstaltung zum 30. Jahrestag

Der Landtag Schleswig-Holstein lädt Medienvertreter zu einer Gedenkveranstaltung anlässlich des 30. Jahrestages des Brandanschlags in der Lübecker Hafenstraße ein. Die offizielle Erinnerung an die tödliche Attacke auf ein Wohnhaus, in dem überwiegend Geflüchtete lebten, findet am kommenden Donnerstag im Landeshaus in Kiel statt.

Die politische Würdigung eines solchen Datums wirft grundsätzliche Fragen auf. Während der Staat heute der Opfer rechtsextremer Gewalt gedenkt, bleibt kritisch zu hinterfragen, inwieweit damalige wie heutige politische und mediale Debatten ein Klima schufen und schaffen, das derartige Taten befördert. Die Instrumentalisierung sozialer Ängste, die pauschale Stigmatisierung von Migranten und die Schaffung von Sündenböcken sind seit jeher Nährboden für Hass. Eine Gedenkveranstaltung bleibt folgenlos, wenn sie nicht mit einer entschlossenen Abkehr von jeder Politik einhergeht, die Menschen gegeneinander aufhetzt.

Die Einladung der Staatskanzlei betont das Ziel, „ein Zeichen gegen Rassismus und für eine solidarische Gesellschaft“ zu setzen. Die Frage bleibt, wie tief diese Solidarität reicht. Wahre Solidarität zeigt sich nicht nur in Worten an Gedenktagen, sondern im täglichen Handeln: im Kampf gegen soziale Spaltung, in der Sicherung von bezahlbarem Wohnraum für alle und in einer Migrationspolitik, die nicht auf Ausgrenzung, sondern auf der Anerkennung der Würde jedes Menschen basiert. Sie zeigt sich in der konsequenten Ächtung aller politischen Kräfte, die Ressentiments schüren – unabhängig davon, ob sie am Rand oder in der Mitte des Parlaments sitzen.

Der Brandanschlag von Lübeck steht als schreckliches Symbol für die tödlichen Konsequenzen von Hetze. Eine kritische Öffentlichkeit sollte die offiziellen Reden zum Anlass nehmen, nicht nur der Opfer zu gedenken, sondern auch die Kontinuitäten zu benennen: Wo werden heute, dreißig Jahre später, erneut Feindbilder konstruiert? Welche politischen Entscheidungen vertiefen die sozialen Gräben, aus denen Gewalt erwächst? Das Gedenken an die Opfer von damals verpflichtet zu größter Wachsamkeit gegenüber den Brandstiftern von heute – in Worten und in Taten.

(Bild: Pixabay)

Quelle: Landtag SH PMs