Mindestens 16 Tote bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Textilarbeitern in Gazipur
Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Polizei und streikenden Textilarbeitern in der Industriestadt Gazipur sind am 30. Dezember 2025 mindestens 16 Menschen getötet worden. Nach Angaben der Polizei wurden zudem über 50 Personen verletzt, als Sicherheitskräfte versuchten, eine Blockade der Dhaka-Mymensingh-Straße in der Sreepur-Gegend aufzulösen.
Chronologie der Ereignisse
Die Auseinandersetzungen begannen am frühen Morgen des 30. Dezember, als tausende Arbeiter von mehr als 50 Fabriken im Gazipur-Distrikt ihre Arbeit niederlegten und die Hauptverkehrsader blockierten. Sie forderten die Umsetzung des neuen Mindestlohns von 23.000 Taka (etwa 195 Euro) monatlich, der am 1. Dezember 2025 in Kraft getreten war. Laut dem Industriepolizei-Kommandanten von Gazipur, Mohammad Sarowar Alam, setzten Demonstranten Fahrzeuge in Brand und warfen Steine auf die Polizei. Die Beamten antworteten mit Tränengas, Gummigeschossen und scharfer Munition. Ein Augenzeuge, der Arbeiter Abdul Malek, berichtete gegenüber lokalen Medien: „Die Polizei eröffnete das Feuer ohne Vorwarnung, als wir friedlich für unseren Lohn protestierten.“ Die Leichen der Getöteten wurden in das Gazipur General Hospital und das Shaheed Tajuddin Ahmad Medical College Hospital gebracht.
Hintergrund: Der lange Kampf um den Mindestlohn
Der Konflikt ist die jüngste Eskalation in einem jahrelangen Streit um existenzsichernde Löhne in der Bekleidungsindustrie Bangladeschs. Die Regierung hatte den neuen Mindestlohn nach monatelangen, oft ergebnislosen Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Fabrikbesitzern per Dekret festgesetzt. Viele Arbeiter und Gewerkschaften wie die „Bangladesh Garment and Industrial Workers Federation“ kritisieren die Höhe als unzureichend. Sie verweisen auf die seit 2023 stark gestiegenen Lebenshaltungskosten. Bereits im November 2024 hatte es bei Protesten in Ashulia und Gazipur mehrere Tote gegeben. Die Textilindustrie ist mit Exporten von über 47 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2023/24 der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes und beschäftigt etwa 4 Millionen Menschen, überwiegend Frauen.
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