Massiver Stromausfall legt Nordindien lahm: Über 200 Millionen Menschen betroffen, kritische Infrastruktur kollabiert

Massiver Stromausfall legt Nordindien lahm: Über 200 Millionen Menschen betroffen, kritische Infrastruktur kollabiert

Einleitung (Lead)

Ein massiver Stromausfall hat am 9. Januar 2026 ab 10:17 Uhr Ortszeit weite Teile Nordindiens lahmgelegt. Nach Angaben des staatlichen Netzbetreibers Power Grid Corporation of India (PGCIL) waren mindestens sieben Bundesstaaten, darunter Delhi, Uttar Pradesh, Punjab und Rajasthan, für über acht Stunden vollständig von der Stromversorgung abgeschnitten.

Chronologie und Details des Kollapses

Der Blackout begann um 10:17 Uhr im 400-Kilovolt-Umspannwerk in Mandola, Uttar Pradesh. Innerhalb von drei Minuten breitete sich der Kaskadeneffekt über das Northern Regional Grid aus. Laut PGCIL-Sprecher S. K. Soonee fielen insgesamt 28.000 Megawatt (MW) an Erzeugungskapazität aus. Die Hauptstadtregion Delhi meldete einen vollständigen Ausfall aller 11 Hochspannungsleitungen.

Die Folgen waren unmittelbar: Der Bahnbetrieb der Northern Railways kam zum Erliegen, über 450 Personenzüge und 150 Güterzüge strandeten. Am Indira Gandhi International Airport (IGI) in Delhi fielen für drei Stunden die Abfertigungssysteme aus, 78 Flüge wurden gestrichen. In Krankenhäusern wie dem All India Institute of Medical Sciences (AIIMS) in Delhi mussten Notstromaggregate die Intensivstationen versorgen. Wasserversorgungssysteme in Städten wie Lucknow und Chandigarh fielen für bis zu 12 Stunden aus.

Hintergrund: Strukturelle Schwächen und wiederholte Vorfälle

Der Ausfall ist der schwerste seit dem Blackout vom 30./31. Juli 2012, der damals über 620 Millionen Menschen in Nord- und Ostindien betraf. Experten wie der ehemalige Vorsitzende der Central Electricity Authority, R. N. Srivastava, verweisen auf chronische Probleme: Das Netz operiere seit Jahren an der Kapazitätsgrenze, während der Strombedarf jährlich um 7-8% steige. Die Lastverteilung sei anfällig für Fehler in einzelnen Knotenpunkten wie Mandola.

Das indische Stromnetz ist in fünf regionale Verbünde unterteilt, die nur schwach miteinander synchronisiert sind. Ein Gesetz von 2003 zur Liberalisierung des Energiemarktes führte zu einem fragmentierten Erzeugungs- und Übertragungssystem. Investitionen in die physische Netzinfrastruktur und intelligente Steuerungssysteme blieben laut einem Bericht der Parliamentary Standing Committee on Energy vom März 2025 deutlich hinter dem Bedarf zurück. Bereits am 5. Januar 2026 hatte es einen lokalen, sechsstündigen Ausfall im Bundesstaat Haryana gegeben.

Bildquelle: Pixabay