Am 23. Dezember 2025 nahmen ägyptische Sicherheitskräfte in Kairo mindestens 15 Personen fest, darunter bekannte Rechtsanwälte und Bürgerrechtler. Die Verhaftungen folgten auf eine Demonstration von Anwohnern im Stadtteil Heliopolis gegen die Zwangsräumung ihrer Häuser für ein staatliches Bauprojekt.
Chronologie der Verhaftungen
Die Sicherheitskräfte, darunter Angehörige der Nationalen Sicherheitsbehörde (NSA), durchsuchten in den frühen Morgenstunden des 23. Dezember zwischen 5:00 und 7:00 Uhr Ortszeit mehrere Wohnungen in den Bezirken Heliopolis und Nasr City. Unter den Festgenommenen sind die Rechtsanwälte Mahienour el-Massry und Amr Imam, die die betroffenen Anwohner vertreten. Ein Augenzeuge aus der Straße El-Orouba in Heliopolis berichtete, die Kräfte seien ohne Vorlage eines richterlichen Durchsuchungsbefehls eingedrungen und hätten Mobiltelefone und Computer beschlagnahmt.
Hintergrund: Das „Neue Heliopolis“-Projekt
Die Demonstration am 21. Dezember 2025 richtete sich gegen das als „Neues Heliopolis“ bekannte Stadtentwicklungsprojekt. Laut einem Dekret des Gouverneurs von Kairo sollen dafür mindestens 45 historische Gebäude und Wohnhäuser im Gebiet um den El-Nozha- und El-Hegaz-Platz abgerissen werden. Die Bewohner erhalten nach Angaben der Behörden eine finanzielle Entschädigung, die nach Aussage der Anwälte jedoch weit unter dem Marktwert liegt. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich im Mai 2024 im Kairoer Stadtteil Ard el-Liwa, wo über 20 Familien zwangsgeräumt wurden.
Rechtliche Grundlage und aktuelle Lage
Die Verhaftungen erfolgten mutmaßlich nach Artikel 201 des ägyptischen Strafgesetzbuches (Verbreitung falscher Nachrichten) und dem umstrittenen Demonstrationsgesetz Nr. 107 von 2013, das nicht genehmigte Versammlungen unter Strafe stellt. Die Anwälte Mahienour el-Massry und Amr Imam wurden der Staatsanwaltschaft in der Abteilung für Staatssicherheit im Justizgebäude am Lazoghly-Platz in Kairo vorgeführt. Ihr derzeitiger Aufenthaltsort und Anklagepunkt sind öffentlich nicht bekannt. Die ägyptischen Behörden haben zu den einzelnen Verhaftungen bislang keine offizielle Stellungnahme veröffentlicht.
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