Erzeugerpreise sinken, Verbraucherpreise nicht

Erzeugerpreise sinken, Verbraucherpreise nicht

Erzeugerpreise im Sinkflug: Entlastung für Verbraucher bleibt aus

Wiesbaden. Die Preise, die deutsche Hersteller für ihre Waren verlangen, sind im Dezember 2025 das zweite Jahr in Folge gesunken. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lagen die Erzeugerpreise um 2,5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Auch im Gesamtjahr 2025 war ein durchschnittlicher Rückgang von 1,2 Prozent zu verzeichnen. Auf den ersten Blick scheint dies eine positive Nachricht für alle, die unter der hohen Inflation der vergangenen Jahre gelitten haben.

Doch die erhoffte spürbare Entlastung für Verbraucherinnen und Verbraucher stellt sich nicht ein. Die gesunkenen Großhandelspreise für Energie und viele Vorprodukte kommen bei den Endkunden nur verzögert und abgeschwächt an. Während Konzerne und große Handelsketten von günstigeren Einkaufskonditionen profitieren, bleiben die Preise an der Supermarktkasse oder auf der Heizkostenabrechnung weiterhin auf einem hohen Niveau. Die Gewinnspannen entlang der Lieferkette scheinen sich auszuweiten – auf Kosten der Allgemeinheit.

Wer profitiert wirklich von der Preissenkung?

Die Entwicklung wirft ein Schlaglicht auf die strukturellen Probleme in der Wirtschaftsordnung:

  • Die Machtkonzentration bei großen Einzelhandels- und Industriekonzernen ermöglicht es, Kostenvorteile nicht oder nur teilweise weiterzugeben.
  • Gleichzeitig stehen viele kleine und mittlere Betriebe, die für einen Großteil der Beschäftigung sorgen, unter Druck. Sie können die Preissenkungen bei ihren Vorlieferanten oft nicht in gleichem Maße an ihre Kunden weitergeben, da ihre eigenen Kosten für Löhne und andere Dienstleistungen stabil bleiben oder steigen.
  • Die Politik versäumt es, durch regulatorische Maßnahmen sicherzustellen, dass Entlastungen auch bei den Menschen ankommen, deren Realeinkommen in den letzten Jahren stark geschrumpft ist.

Eine rein betriebswirtschaftliche Betrachtung der Zahlen verfehlt die soziale Realität. Sinkende Erzeugerpreise sind kein Selbstzweck, sondern müssen in einer funktionierenden und gerechten Marktwirtschaft auch zu sinkenden Verbraucherpreisen führen. Dass dies nicht geschieht, ist ein politisches Versagen und ein Beleg für die ungleiche Verhandlungsmacht zwischen Konzernen und Konsumenten.

Chance für echte Entlastung verpasst

Die aktuelle Situation bietet der Bundesregierung eine historische Gelegenheit. Anstatt die Preisrückgänge im Großhandel den Märkten zu überlassen, hätte sie aktiv werden müssen. Denkbar wären:

  • Eine zeitlich befristete Übergewinnsteuer für Konzerne in Sektoren, in denen die Diskrepanz zwischen sinkenden Erzeuger- und stabilen Verbraucherpreisen besonders groß ist.
  • Die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel, um die Entlastung endlich bei den Menschen ankommen zu lassen.
  • Eine deutliche Erhöhung des Mindestlohns, um die Kaufkraft der unteren und mittleren Einkommen zu stärken und so die Binnennachfrage zu stabilisieren.

Stattdessen dominiert in der politischen Debatte weiterhin die Angst, „die Wirtschaft“ zu verprellen. Doch eine Wirtschaft, die ihre Gewinne auf dem Rücken der Verbraucher macht, während diese mit den Folgen der vorangegangenen Teuerungswelle kämpfen, hat ihre soziale Lizenz verloren. Die sinkenden Erzeugerpreise sind eine statistische Tatsache. Sie in echte, spürbare Entlastung für die breite Bevölkerung zu verwandeln, wäre eine politische Tat. Diese bleibt bislang aus.

Quelle: presse@destatis.de | Bild: Pixabay