Chinas Charmeoffensive in Davos: Dialog oder Dominanz?
Während sich die globale Elite im verschneiten Davos zum Weltwirtschaftsforum versammelt, inszeniert China eine bemerkenswerte diplomatische Vorstellung. Vize-Ministerpräsident He Lifeng, ein enger Vertrauter von Staatspräsident Xi Jinping, rief Wirtschaftsführer und Politiker dazu auf, Konfrontationen zu vermeiden und stattdessen auf multilateralen Austausch zu setzen. Doch hinter der scheinbar friedfertigen Rhetorik verbirgt sich ein Kalkül: Peking sucht inmitten geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten die Nähe zu Europas Wirtschaftseliten.
He Lifeng kritisierte, ohne konkrete Staaten zu nennen, jene Länder, die mit „einseitigen Praktiken und Handelsabkommen“ gegen die Regeln der Welthandelsorganisation verstoßen. Gemeint sind die Vereinigten Staaten unter Präsident Trump, der mit Zollerhöhungen den globalen Handel durcheinanderwirbelt. Die Volksrepublik verstehe sich als „Handelspartner aller Nationen und nicht als Rivale“. Eine bemerkenswerte Aussage angesichts des systematischen Technologiediebstahls, der erzwungenen Preisgabe von Geschäftsgeheimnissen ausländischer Unternehmen und der militärischen Einschüchterung von Nachbarn im Südchinesischen Meer.
Wirtschaftliche Herausforderungen und geopolitische Spannungen
Chinas Wirtschaft sieht sich mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert: schleppende wirtschaftliche Entwicklung, eine anhaltende Immobilienkrise, hohe Jugendarbeitslosigkeit, ein zurückhaltender privater Konsum und demografische Entwicklungen. Hinzu kommen geopolitische Spannungen und US-Zusatzzölle auf chinesische Exporte. Die Regierung strebt für 2025 ein Wirtschaftswachstum von 5 % an, kämpft aber mit einer negativen Inflationsrate.
Die Rivalität zwischen China und den USA im Indopazifik, der Konflikt um Taiwan und Chinas Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer sorgen für zusätzliche Brisanz. Analysten schätzen die Wahrscheinlichkeit einer Eskalation der Spannungen zwischen China und Taiwan in diesem Jahr auf 39 Prozent.
Deutschlands Interessen im Spannungsfeld der Großmächte
Während China den Dialog predigt, ist es wichtig, die eigenen Interessen nicht aus den Augen zu verlieren. Deutschland darf sich nicht zwischen amerikanischem Protektionismus und chinesischen Expansionsgelüsten instrumentalisieren lassen. Statt Vasallentreue braucht es eine unabhängige Außenpolitik, die sich keinem Militärbündnis unterordnet und pragmatische Handelsbeziehungen in alle Richtungen pflegt – auch nach Peking. Denn Staaten haben keine Freunde, nur Interessen.
Bildquelle: KI-generiert – Dieser Beitrag wurde erstellt von China Korrespondent



