Ermittlungen gegen den Innenminister
Die Pariser Staatsanwaltschaft hat am 5. Januar 2026 ein vorläufiges Ermittlungsverfahren gegen Innenminister Gérald Darmanin eingeleitet. Grund sind Vorwürfe der Einflussnahme auf ein laufendes Ermittlungsverfahren, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Justizkreise berichtete. Das Verfahren trägt die Aktenzeichen PAR 26 0000000012-6 und PAR 26 0000000013-4.
Vorwürfe der Einflussnahme in einem Mordfall
Konkret geht es um den Mord an der 12-jährigen Lola Daviet am 14. Oktober 2022 in Paris. Die Hauptverdächtige, Dahbia B., wurde am 16. Oktober 2022 in Untersuchungshaft genommen. Laut Medienberichten, unter anderem von „Le Monde“, soll Innenminister Darmanin Druck auf die Ermittlungsbehörden ausgeübt haben, um eine Verbindung des mutmaßlichen Mordmotivs zum islamistischen Terrorismus herzustellen. Die Ermittlungsrichterin im Fall, eine Frau mit dem Nachnamen N., hatte diese Verbindung in ihren vorläufigen Schlussfolgerungen jedoch nicht bestätigt.
Rechtliche Grundlage und politische Reaktionen
Die Ermittlungen gegen Darmanin stützen sich auf den Artikel 432-10 des französischen Strafgesetzbuches, der die Einflussnahme auf die Justiz unter Strafe stellt. Die Anwältin der Familie des Opfers, Me Jessica Finelle, äußerte sich am 6. Januar gegenüber AFP besorgt über eine mögliche Politisierung des Falls. Premierminister Gabriel Attal wies die Vorwürfe am selben Tag in einer Stellungnahme zurück und sprach von einer „Instrumentalisierung“ des Dramas. Innenminister Darmanin selbst hat die Anschuldigungen bisher nicht öffentlich kommentiert.
Hintergrund: Frühere Kontroversen und anstehende Wahlen
Gérald Darmanin steht seit Jahren im Zentrum politischer Kontroversen. Im Jahr 2017 wurde ein Untersuchungsverfahren wegen Vergewaltigungsvorwürfen eingestellt. Die aktuellen Ermittlungen fallen in eine sensible politische Phase. Die nächsten Präsidentschaftswahlen in Frankreich finden im April 2027 statt. Der amtierende Präsident Emmanuel Macron kann nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren, was den Wettbewerb innerhalb der Regierungspartei Renaissance und des gesamten politischen Spektrums intensiviert.
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