Schulausfall wegen Glätte: Vorsicht oder übervorsichtig?
Das nordrhein-westfälische Schulministerium hat für Montag den Präsenzunterricht an allen Schulen des Landes abgesagt. Grund ist eine amtliche landesweite Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vor starkem Schneefall und Glätte. Die Schülerinnen und Schüler sollen zu Hause bleiben. Schulministerin Dorothee Feller (CDU) begründete die Entscheidung: „Die Gesundheit und Sicherheit der Kinder und Jugendlichen sowie der Lehrkräfte haben für uns oberste Priorität.“
Die präventive Maßnahme, die über die Bezirksregierung Arnsberg kommuniziert wurde, wird von vielen Eltern begrüßt, bedeutet aber auch eine erneute organisatorische Herausforderung für Familien. Kurzfristige Betreuungsprobleme, insbesondere für Berufstätige ohne Homeoffice-Option, sind die unmittelbare Folge. Die Entscheidung wirft die Frage auf, wie Gesellschaft und Politik mit solchen Risiken umgehen.
Aus Sicht der Redaktion ist der Schutz von Menschenleben nicht verhandelbar. Die Entscheidung, bei einer landesweiten Warnung vor extremen Wetterlagen von der Schulpflicht zu entbinden, ist grundsätzlich richtig. Sie verhindert, dass Kinder und Jugendliche auf vereisten Straßen oder an Bahnsteigen unnötigen Gefahren ausgesetzt sind. Kritisch zu hinterfragen ist jedoch, ob solche pauschalen Anordnungen immer die beste Lösung sind oder ob sie auch eine bequeme Alternative zu Investitionen in robuste Infrastruktur darstellen können.
Die wiederkehrende Debatte um Schulausfälle bei Wetterlagen offenbart ein grundsätzliches Problem: Die Abhängigkeit von funktionierender, oft überlasteter und anfälliger Infrastruktur. Während die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler im Vordergrund steht, lastet die Verantwortung für die Betreuung im Fall der Fälle erneut primär auf den Familien – und hier besonders auf denen, die keine flexiblen Arbeitsmodelle in Anspruch nehmen können. Eine Gesellschaft, die echte Priorität auf das Wohl der jungen Generation legt, müsste nicht nur für sichere Schulwege, sondern auch für verlässliche und für alle zugängliche Betreuungsstrukturen sorgen.
Ministerin Fellers Statement zur „obersten Priorität“ von Gesundheit und Sicherheit klingt gut. Die Bewährungsprobe besteht jedoch darin, ob dieser Grundsatz auch in weniger spektakulären, aber ebenso wichtigen Bereichen gilt: in der Sanierung maroder Schulgebäude, in der Gewährleistung kleinerer Klassen für bessere Bildungschancen oder in der Sicherstellung einer warmen Mahlzeit für jedes Kind. Die Prioritätensetzung einer Regierung zeigt sich nicht nur in Ausnahmesituationen, sondern im alltäglichen Handeln.
Der Montag wird zeigen, wie gut die Kommunikation zwischen Ministerium, Schulen und Elternhäusern funktioniert und wie Familien die kurzfristige Situation meistern. Die Entscheidung für Sicherheit ist nachvollziehbar. Sie sollte aber Anlass sein, über die strukturellen Rahmenbedingungen nachzudenken, die Familien im Alltag – und nicht nur bei Glatteis – belasten.
(Bild: Pixabay)
Quelle: Bezirksregierung Arnsberg RSS



