Die Justizministerin von Sierra Leone, Mohamed Lamin Tarawalley, hat am 20. Januar 2026 den Rücktritt des Leiters der Anti-Korruptionskommission (ACC), Francis Ben Kaifala, gefordert. Dies folgt auf den Freispruch der Vizepräsidentin des Landes, Dr. Mohamed Juldeh Jalloh, in einem Korruptionsverfahren vor dem Hohen Gericht in Freetown.
Freispruch und unmittelbare Reaktion
Richterin Adrian Fisher sprach Vizepräsidentin Juldeh Jalloh am 19. Januar 2026 von allen Anklagepunkten frei. Die Anklage hatte Jalloh vorgeworfen, zwischen 2018 und 2021 unrechtmäßig über 100.000 US-Dollar an öffentlichen Geldern veruntreut zu haben. In einer am folgenden Tag veröffentlichten Erklärung forderte Justizministerin Tarawalley den ACC-Vorsitzenden Kaifala auf, „umgehend von seiner Position zurückzutreten“. Sie begründete dies mit einem „offensichtlichen Versagen der Anklagebehörde, eine überzeugende Beweisführung vorzulegen“.
Politische und rechtliche Hintergründe
Der Fall gegen Vizepräsidentin Jalloh war einer der prominentesten der ACC unter Kaifala. Die Kommission wurde 2000 gegründet, um Korruption im öffentlichen Sektor zu bekämpfen. Kaifala selbst stand in der Vergangenheit in der Kritik, selektiv zu ermitteln. Im Jahr 2023 warf ihm die Zivilgesellschaftsgruppe „Campaign for Good Governance“ vor, sich auf Fälle der politischen Opposition zu konzentrieren. Der aktuelle Freispruch fällt in eine Phase politischer Spannungen zwischen der Regierung von Präsident Julius Maada Bio und Teilen der Justiz. Bereits im November 2025 hatte das Oberste Gericht ein vom Parlament verabschiedetes Gesetz zur Beschneidung seiner Befugnisse für verfassungswidrig erklärt.
Weitere Reaktionen und nächste Schritte
Der Anwalt der Vizepräsidentin, Joseph Fitzgerald Kamara, kommentierte den Freispruch mit den Worten, das Urteil „bestätige die Rechtsstaatlichkeit in Sierra Leone“. ACC-Chef Francis Ben Kaifala hat auf die Rücktrittsforderung der Justizministerin bislang nicht öffentlich reagiert. Politische Beobachter erwarten, dass der Vorfall eine Debatte über die Unabhängigkeit und Effektivität der wichtigsten Anti-Korruptionsbehörde des Landes neu entfachen wird. Die Regierungspartei SLPP hat den Freispruch als Sieg für die Regierung gefeiert.
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