Mittelstand und Handwerk in NRW: Bürokratie, Fachkräftemangel und Nachfolgeprobleme trüben Konjunkturerwartungen

Mittelstand und Handwerk in NRW: Bürokratie, Fachkräftemangel und Nachfolgeprobleme trüben Konjunkturerwartungen
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Mittelstand und Handwerk unter Druck: Bürokratie, Fachkräftemangel und Nachfolgeprobleme belasten

Der deutsche Mittelstand und das Handwerk stehen weiterhin vor großen Herausforderungen. Trotz des Regierungswechsels in Berlin vor sieben Monaten, der viele Betriebe auf eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage hoffen ließ, belasten Bürokratie, Fachkräftemangel und die Schwierigkeit der Unternehmensnachfolge das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

Die Betriebe sind dringend auf weitere wirtschaftliche Impulse zur Belebung der Konjunktur und zur Stärkung des Standortes angewiesen. Rüdiger Otto, Präsident des Unternehmerverbands Handwerk NRW (UVH), machte dies bei der diesjährigen Mitgliederversammlung deutlich: „Mittlerweile spricht mehr als jeder fünfte Unternehmer von einer schlechten Situation“.

Bürokratie als Innovationshemmnis

Viele mittelständische Unternehmen haben innovative Ideen, scheitern aber oft an der Umsetzung. Laut einer Analyse des KfW-Mittelstandspanels sind bürokratische Hürden das größte Problem: 46 % der Unternehmen fühlen sich durch bestehende Gesetze, Unsicherheiten über zukünftige Regelungen und lange Genehmigungsprozesse ausgebremst. Besonders betroffen sind ältere Unternehmen und Betriebe in ländlichen Regionen.

Die Union schlägt vor, Genehmigungen von Anträgen in Behörden automatisch zu erteilen, wenn diese nicht innerhalb einer bestimmten Frist bearbeitet werden. Reaktionen aus Mitteldeutschland darauf sind bisher positiv. In Sachsen verzögert sich die Einführung der Möglichkeit, Bußgelder bargeldlos zu bezahlen, aufgrund bürokratischer Hürden.

Fachkräftemangel trotz leichter Entspannung

Der Fachkräftemangel in Deutschland hat sich laut ifo-Institut vorerst leicht entspannt. Aktuell klagen 28,3 % der Unternehmen über fehlendes qualifiziertes Personal – im Oktober waren es noch 31,9 %. Grund dafür sei die schwache Konjunktur, die die Nachfrage nach Fachkräften vorübergehend dämpft. Besonders betroffen bleibt die Dienstleistungsbranche.

Das Handwerk ist ebenfalls stark betroffen. Viele Betriebe können sich vor Aufträgen kaum retten, ihnen fehlen aber die Fachkräfte. Innovative Konzepte, wie mehrgeschossige Gewerbehöfe und die Umwandlung von Erdgeschosszonen in Mischgebäuden für Handwerk und Dienstleistungen, werden nur vereinzelt umgesetzt.

Nachfolgeproblematik spitzt sich zu

Immer mehr Unternehmer in Deutschland finden keinen Nachfolger und denken über die Schließung ihres Betriebs nach. Laut KfW droht allein in diesem Jahr 231.000 mittelständischen Unternehmen das Aus, da sich der Wunschtermin für die Übergabe mangels Kandidaten nicht erfüllt. Das sind 67.500 mehr als im Vorjahr. Wo früher Unternehmer am Ende ihrer Karriere fast ausschließlich die Option Nachfolger prüften, spielen heute vielmehr gleich mit dem Gedanken der Stilllegung – vermeintlich aus Mangel an geeigneten Nachfolgern.

Ausblick

Die genannten Probleme bedrohen das Fundament der deutschen Wirtschaft. Umso wichtiger ist es, dass die Politik die Rahmenbedingungen für den Mittelstand und das Handwerk verbessert. Dazu gehören der Abbau bürokratischer Hürden, die Bekämpfung des Fachkräftemangels und die Förderung der Unternehmensnachfolge. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Mittelstand und das Handwerk auch in Zukunft eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft bleiben. Die im Koalitionsvertrag vereinbarten Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft müssen zügig umgesetzt werden. Dazu gehören eine Reform der Arbeitszeitgesetze, die Senkung der Stromsteuer für alle Betriebe und die Abschaffung der Bonpflicht für die Bäckerbetriebe.

Bildquelle: Pixabay – Dieser Beitrag wurde erstellt von Wirtschaftsstimme