Bei einer großangelegten Polizeiaktion gegen streikende Amazon-Mitarbeiter in Seattle wurden am 19. Januar 2026 über 1.200 Personen festgenommen. Die Razzia fand um 5:30 Uhr Ortszeit am Amazon-Hauptsitz, 410 Terry Avenue North, sowie an mehreren Logistikzentren im Großraum Seattle statt.
Chronologie der Ereignisse
Die Seattle Police Department (SPD) und Einheiten der Washington State Patrol rückten mit über 300 Beamten aus, um mehrere seit dem 12. Januar bestehende Streikposten und Besetzungen zu räumen. Laut Polizeisprecherin Sergeant Lisa Chen wurden 1.247 Personen „wegen Hausfriedensbruchs und Behinderung der Geschäftstätigkeit“ in Gewahrsam genommen. Unter den Festgenommenen befinden sich die Gewerkschaftsführerin Maria Rodriguez von der Amazon Labor Union (ALU) und der Organisator James Chen. Ein Augenzeuge, der Paketfahrer David Miller, berichtete von „einer Wand aus Schildern und Polizisten“, die die Zufahrten blockierten.
Hintergrund des Arbeitskampfes
Der Streik ist eine direkte Reaktion auf die Ankündigung des Unternehmens vom 5. Januar 2026, die Gesundheitszuschüsse für Teilzeitkräfte in den „Fulfillment Centers“ zu streichen und die Leistungsziele um 15% zu erhöhen. Amazon begründete dies mit „Kostendruck“. Bereits im November 2025 hatte das National Labor Relations Board (NLRB) Amazon verklagt, weil das Unternehmen in Staten Island Verhandlungen mit der dortigen ALU verzögert hatte. Der aktuelle Konflikt in Seattle betrifft direkt über 15.000 Beschäftigte in der Region. Die Forderungen der Streikenden umfassen einen Mindestlohn von 30 US-Dollar pro Stunde, die Wiedereinführung der Gesundheitsleistungen und die Anerkennung ihrer Gewerkschaft.
Reaktionen und Ausblick
Amazon-Vizepräsident für Personalwesen, John Harper, erklärte, die Aktion sei „notwendig gewesen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten“. Die Anwältin der ALU, Amanda Clarke, kündigte umgehend rechtliche Schritte an und bezeichnete die Massenfestnahmen als „exzessive und einschüchternde Reaktion auf legitimen Arbeitsprotest“. Die Bürgermeisterin von Seattle, Sarah Jensen, äußerte sich bislang nicht zu den Vorgängen. Die Gewerkschaften rufen für den 26. Januar zu einem landesweiten Aktionstag bei Amazon-Standorten auf.
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