Massenproteste gegen Rentenreform in São Paulo und Rio de Janeiro mit über 50.000 Teilnehmern

Massenproteste gegen Rentenreform in São Paulo und Rio de Janeiro mit über 50.000 Teilnehmern

Am 26. Dezember 2025 versammelten sich in São Paulo und Rio de Janeiro mehr als 50.000 Menschen zu landesweiten Protesten gegen die von der Regierung Lula da Silva vorgeschlagene Rentenreform. Die größte Demonstration fand auf der Avenida Paulista in São Paulo statt, wo nach Angaben der Militärpolizei des Bundesstaates São Paulo (PMESP) mindestens 35.000 Personen zusammenkamen.

Chronologie der Proteste

Die Kundgebungen begannen um 10:00 Uhr Ortszeit. In São Paulo marschierten die Demonstranten von der Praça da República zur Avenida Paulista. Die Gewerkschaftsverbände CUT (Central Única dos Trabalhadores) und Força Sindical organisierten den Protest. Der Vorsitzende der CUT, Sérgio Nobre, sprach vor der Menge und bezeichnete den Reformvorschlag als „Angriff auf die Zukunft der Arbeiterklasse“. In Rio de Janeiro blockierten rund 15.000 Menschen nach Angaben der Militärpolizei von Rio de Janeiro (PMERJ) Teile der Avenida Presidente Vargas im Stadtzentrum. Die Polizei setzte in beiden Städten Tränengas ein, nachdem es zu vereinzelten Zusammenstößen mit einer kleinen Gruppe von Demonstranten kam. Es gab mindestens 12 vorläufige Festnahmen in São Paulo und 7 in Rio.

Inhalt der umstrittenen Reform

Der am 18. Dezember 2025 vom Planungsministerium unter Minister Simone Tebet vorgelegte Gesetzentwurf sieht eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters von derzeit 62 auf 65 Jahre für Frauen und von 65 auf 67 Jahre für Männer vor. Zudem soll die Berechnungsgrundlage für die Rentenhöhe geändert werden. Die Regierung argumentiert, das System sei angesichts der demografischen Entwicklung nicht mehr finanzierbar. Ein Sprecher des Finanzministers, Fernando Haddad, verwies auf ein prognostiziertes Defizit in der Rentenkasse von 120 Milliarden Real für das Jahr 2026.

Hintergrund und politische Reaktionen

Die Proteste reihen sich in eine lange Serie von Auseinandersetzungen um die Rentenpolitik ein. Bereits 2019 hatte die Regierung von Jair Bolsonaro eine umfassende Reform durchgesetzt, die damals zu massiven Protesten führte. Die aktuelle Regierung unter Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hatte im Wahlkampf 2022 versprochen, diese Reformen zu überprüfen. Oppositionspolitiker wie der Senator und ehemalige Wirtschaftsminister Paulo Guedes (PL) kritisieren den neuen Vorschlag als „unzureichend“. Innerhalb der regierenden Koalition äußerte die Abgeordnete Gleisi Hoffmann, Präsidentin der PT (Partido dos Trabalhadores), Bedenken. Der Gesetzentwurf muss nun den Nationalkongress passieren, wo eine hitzige Debatte erwartet wird.

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