Am 5. Januar 2026 versammelten sich nach Angaben der Militärpolizei von São Paulo rund 15.000 Menschen auf der Avenida Paulista, um gegen die von der Regierung unter Präsident Tarcísio de Freitas vorgeschlagene Rentenreform zu protestieren. Die Demonstration führte zu einem vollständigen Stillstand des Verkehrs auf der Hauptverkehrsader zwischen 14:00 und 19:00 Uhr Ortszeit.
Chronologie der Ereignisse
Der Protestzug formierte sich ab 13:30 Uhr am Museum für Kunst (MASP) und bewegte sich in Richtung Praça Charles Miller. Die Organisatoren, darunter die Gewerkschaftszentralen CUT und Força Sindical, sprachen von über 50.000 Teilnehmern. Die Militärpolizei setzte 1.200 Beamte ein und meldete drei Festnahmen wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt. Gegen 16:30 Uhr kam es zu einer kurzen Konfrontation, als eine Gruppe von etwa 200 Demonstranten versuchte, Absperrgitter zu durchbrechen. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Menge zu zerstreuen.
Forderungen der Demonstranten
Die Protestierenden richteten sich konkret gegen den Gesetzesentwurf PL 123/2025, der eine Erhöhung des Mindestrentenalters von 65 auf 67 Jahre für Männer und von 62 auf 65 Jahre für Frauen vorsieht. Maria das Graças, 58-jährige Reinigungskraft und Mitglied der Hausangestelltengewerkschaft, sagte gegenüber Reportern: „Ich habe 40 Jahre körperlich gearbeitet. Mit 67 kann ich das nicht mehr. Diese Reform stiehlt unsere Würde.“ Der Gewerkschaftsführer der CUT, Sérgio Nobre, forderte stattdessen eine „Steuer auf Großvermögen über 10 Millionen Reais, um das Rentensystem zu finanzieren“.
Hintergrund der Reform
Die Regierung von São Paulo unter Gouverneur Tarcísio de Freitas argumentiert mit einem Haushaltsdefizit von 15 Milliarden Reais im staatlichen Rentenfonds. Ein ähnlicher Reformvorschlag auf Bundesebene war bereits am 12. März 2024 nach landesweiten Streiks gescheitert. Der aktuelle Entwurf sieht neben der Alterserhöhung auch eine Kürzung der Mindestrente um 5% für Neurentner vor. Das staatliche Institut für Wirtschaftsforschung (FIPE) schätzt, dass die Reform die Rentenausgaben des Bundesstaates São Paulo um jährlich 8 Milliarden Reais senken würde, betrifft aber direkt 2,3 Millionen aktive Beitragszahler.
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