Iranische Sicherheitskräfte töten mindestens drei Menschen bei Protesten gegen Wasserknappheit in Isfahan

Iranische Sicherheitskräfte töten mindestens drei Menschen bei Protesten gegen Wasserknappheit in Isfahan

Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten in der zentraliranischen Provinz Isfahan sind am 4. Januar 2026 mindestens drei Menschen getötet worden. Die Proteste richteten sich gegen die anhaltende Wasserknappheit und die Umleitung von Wasserressourcen.

Chronologie der Ereignisse

Die Demonstrationen begannen am Morgen des 4. Januar in mehreren Dörfern des Kreises Chadegan, darunter in Vartun und Zarrinshahr. Nach Angaben lokaler Aktivisten versammelten sich zunächst mehrere hundert Landwirte und Bewohner, um gegen die Trockenlegung des Zayandeh-Rud-Flusses und die Wasserumleitung in die benachbarte Provinz Yazd zu protestieren. Gegen 10:30 Uhr Ortszeit griffen Einheiten der Revolutionsgarden und der Basij-Miliz die Versammlung auf. Augenzeugen berichteten dem Nachrichtenportal „Iran Wire“ von dem Einsatz von Tränengas, scharfer Munition und Schrotflinten.

Bei den Schusswechseln wurden nach übereinstimmenden Berichten der Menschenrechtsorganisationen Hengaw und HRANA mindestens drei Demonstranten getötet. Die Toten wurden als Mohammad Reza Ahmadi (42 Jahre), Ali Moradzadeh (38 Jahre) und ein bislang nicht identifizierter junger Mann aus dem Dorf Vartun benannt. Mindestens 15 weitere Personen seien verletzt und über 20 festgenommen worden, darunter der lokale Aktivist Reza Shirani.

Hintergrund der Wasserkrise

Die Proteste sind die jüngste Eskalation in einem jahrelangen Konflikt um die Wasserverteilung in Zentraliran. Der Zayandeh Rud, Isfahans wichtigster Fluss, ist seit 2020 nahezu ganzjährig ausgetrocknet. Ein Grund ist laut dem iranischen Parlamentsabgeordneten Mohammad Reza Sabaghian der Bau des „Kouhrang-3“-Tunnels, der seit 2023 Wasser aus dem Flusssystem des Zayandeh Rud in die Provinz Yazd umleitet. Dieses Projekt wurde vom Ministerium für Energie unter Minister Ali Akbar Mehrabian vorangetrieben, ohne eine Umweltverträglichkeitsprüfung gemäß dem iranischen Gesetz zur Erhaltung und Schutz von Gewässern (2017) durchzuführen.

Bereits im November 2022 waren bei ähnlichen Protesten in Isfahan zwei Menschen getötet worden. Die Landwirtschaft in der Region, die über 15 Prozent der nationalen Weizenproduktion ausmacht, ist existenziell bedroht. Die Provinz Isfahan mit ihren rund 5,1 Millionen Einwohnern erlebt die schwerste Dürre seit 50 Jahren. Die Vereinten Nationen stufen Iran als Land mit „extrem hohem Wasserstress“ ein.

Bildquelle: Pixabay