Der Fall Joachim Kroll: Der Kannibale von Duisburg
Die brütende Hitze des Sommers 1976 lag wie ein schwerer Schleier über Duisburg. In der Friesenstraße herrschte angespannte Stille, unterbrochen nur vom Knistern der Transistorradios, die über die fieberhafte Suche nach der vierjährigen Marion berichteten. Das kleine Mädchen war spurlos verschwunden, nachdem es mit Freundinnen gespielt hatte.
Die Polizei suchte fieberhaft. Wälder wurden durchkämmt, Spürhunde eingesetzt, Hubschrauber kreisten über der Stadt. Doch Marion blieb verschwunden. Die Bewohner der Friesenstraße gaben sich ahnungslos, nur ein Detail schien merkwürdig: Ein Toilettenabfluss im Haus Nr. 11 war seit Tagen verstopft.
Was die Ermittler zu diesem Zeitpunkt nicht wussten: Hinter der unscheinbaren Fassade des Mietshauses verbarg sich Joachim Kroll, ein Mann, dessen Name bald zum Synonym für das Böse werden sollte.
Am 3. Juli 1976 führte ein banaler Zufall zur Entlarvung des Täters. Ein Nachbar bemerkte, dass Wasser aus Krolls Wohnung in die darunterliegende Wohnung tropfte. Der Klempner, der zur Reparatur gerufen wurde, fand in Krolls Wohnung verstörende Spuren: blutverschmierte Handtücher und Kleidungsstücke. Er alarmierte die Polizei.
Als die Beamten die Wohnung des 43-jährigen Kroll betraten, bot sich ihnen ein unbegreifliches Bild. In der Tiefkühltruhe lagen Päckchen mit Menschenfleisch. Auf dem Herd kochte ein Topf mit einer Brühe aus Möhren und Kartoffeln – darin eine kleine Menschenhand.
Joachim Kroll gestand die unfassbare Wahrheit: Er hatte die kleine Marion getötet und Teile ihrer Leiche gegessen. „Mir kam nur der Gedanke, dass man einmal probieren müsste, wie Menschenfleisch schmeckt“, gab er zu Protokoll.
Doch Marion war nicht sein einziges Opfer. Kroll gestand, zwischen 1955 und 1976 mindestens acht weitere Menschen getötet zu haben, vorwiegend Kinder und junge Frauen im Raum Duisburg und Umgebung. Seine Taten waren von unvorstellbarer Brutalität und Grausamkeit geprägt.
Der Fall Kroll erschütterte die gesamte Republik. Er offenbarte nicht nur die Abgründe einer kranken Seele, sondern auch das Versagen der Ermittlungsbehörden. Trotz einer Vielzahl von Morden in der Region gelang es der Polizei jahrelang nicht, einen Zusammenhang herzustellen oder Kroll als Täter zu identifizieren.
Im April 1982 wurde Joachim Kroll wegen achtfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Er starb 1991 im Gefängnis. Seine Taten sind bis heute unvergessen und stehen als Mahnung für die Dunkelheit, die in der menschlichen Seele lauern kann. Die Akte Kroll ist ein düsteres Kapitel der Kriminalgeschichte des Ruhrgebiets.
Bildquelle: KI-generiert – Dieser Beitrag wurde erstellt von Kriminalarchiv



