Der Mordfall im Eifeldorf Sötenich: Eine Chronik des Schweigens
Im Januar 2012 erschütterte ein Mord die beschauliche Eifelgemeinde Sötenich bei Kall. Der Fall, der als „Kriminalfall Eifel“ bekannt wurde, offenbarte nicht nur eine grausame Tat, sondern auch das erschreckende Ausmaß der Vertuschung durch eine Dorfgemeinschaft.
Die Protagonisten
Im Zentrum des Geschehens standen Ralf S., ein 45-jähriger Kfz-Mechaniker, der im Ort als hilfsbereit galt, und Johann P., 32 Jahre alt, ein Schrotthändler mit Vorstrafen. Die beiden Männer waren sowohl Freunde als auch Geschäftspartner, doch ihre Beziehung entwickelte sich zunehmend toxisch. Johann P. soll sich wiederholt Geld von Ralf S. geliehen haben, um seine Besuche in Bordellen und Spielhallen zu finanzieren.
Der Tatort und die Tat
Am 17. Januar 2012 kam es im Keller der Autowerkstatt von Ralf S. zu einem heftigen Streit zwischen den beiden Männern. Auslöser waren offenbar finanzielle Unstimmigkeiten. Im Verlauf der Auseinandersetzung griff Ralf S. zu einer Jagdflinte und schoss zweimal auf Johann P. Der erste Schuss traf Johann P. tödlich, zerfetzte Lungenflügel und Herzkammern. Trotzdem schleppte sich das Opfer noch einige Stufen die Treppe hinauf, bevor es zusammenbrach.
Die Vertuschung
Was folgte, war eine beispiellose Vertuschungsaktion. Ralf S. beseitigte die Leiche und weihte mindestens sechs Mitwisser in das Geschehen ein. Sein Vater half bei der Reinigung des Kellers, ein Schulfreund versteckte die Leiche tagelang in einem Anhänger in seiner Garage. Ein weiterer Bekannter zersägte die Tatwaffe und warf sie in den Rursee nahe Schwammenauel. Sogar die Ehefrau von Ralf S. soll von dem Verbrechen gewusst haben.
Die Entdeckung
Erst als die Ehefrau von Johann P. ihren Mann am 19. Januar 2012 als vermisst meldete, kam die Polizei auf den Fall. Ralf S. und ein Bekannter brachten die Leiche am 30. Januar 2012 mit einem Anhänger zu einer Mülldeponie nach Erftstadt. Dort entdeckte ein Mitarbeiter den Leichnam und informierte die Polizei.
Das Geständnis und die Folgen
Nach dem Fund der Leiche legte Ralf S. ein umfassendes Geständnis ab und wurde verhaftet. Der Prozess vor dem Landgericht Aachen endete mit einem Urteil wegen Mordes aus Heimtücke zu lebenslanger Haft. Seine Helfer wurden zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt. Ralf S. starb 2018 im Gefängnis an Krebs.
Die Motive
Die genauen Motive für die Tat blieben im Dunkeln. Ralf S. behauptete, in Notwehr gehandelt zu haben. Es gab Spekulationen über Geldschulden und Bedrohungen. Sicher ist, dass die Beziehung zwischen den beiden Männern von Spannungen und Abhängigkeiten geprägt war.
Das Schweigen im Eifeldorf
Der Fall offenbarte ein Klima des Schweigens und der Angst in der Dorfgemeinschaft. Die Bewohner von Sötenich hüllten sich lange in Schweigen, aus Angst vor den Konsequenzen oder aus falsch verstandener Solidarität. Der „Kriminalfall Eifel“ ist somit nicht nur die Geschichte eines Mordes, sondern auch die einer Gemeinschaft, die versuchte, die Wahrheit zu verbergen.
Quellen: Medienberichte, Polizeiberichte, Gerichtsakten.
Bildquelle: Pixabay – Dieser Beitrag wurde erstellt von Kriminalarchiv



