Vollsperrung auf der A565: Mehr als nur ein Verkehrshindernis
Für viele Pendlerinnen und Pendler im Raum Bonn bedeutet der Jahresbeginn 2026 erst einmal: Umwege, Stau und Zeitverlust. Wie die Autobahn GmbH des Bundes mitteilte, wird die A565 in Fahrtrichtung Köln zwischen den Anschlussstellen Bonn-Poppelsdorf und Bonn-Endenich für volle zwei Wochen, vom 16. bis zum 31. Januar, voll gesperrt sein. Ein solcher Eingriff in die tägliche Mobilität wirft grundsätzliche Fragen auf.
Mobilität ist keine Luxusfrage, sondern eine Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Sie ermöglicht den Weg zur Arbeit, zum Arzt oder zu Angehörigen. Wenn zentrale Verkehrsadern über einen so langen Zeitraum unterbrochen werden, trifft das vor allem diejenigen, die auf ihr Auto angewiesen sind und keine flexiblen Arbeitszeiten haben. Die Folge sind nicht nur Frust, sondern auch Mehrkosten für Sprit und ein erhöhter Zeitdruck, der zu Lasten der Familie oder der Erholung geht.
Infrastruktur: Sanierung ja – aber wer zahlt die Rechnung?
Zweifellos sind Instandhaltung und Sanierung der maroden Infrastruktur notwendig. Die eigentliche Debatte beginnt jedoch bei der Finanzierung. Während für Großprojekte wie diese Mittel scheinbar locker sitzen, wird an anderer Stelle gekürzt: in Schulen, Krankenhäusern und im öffentlichen Nahverkehr. Jeder Euro, der in die autozentrierte Infrastruktur fließt, ist ein Euro, der für den dringend benötigten Ausbau des fahrscheinfreien, zuverlässigen ÖPNV fehlt. Eine sozial gerechte Verkehrspolitik würde den Schwerpunkt auf bezahlbare und unkomplizierte öffentliche Angebote für alle legen, anstatt den Individualverkehr weiter zu subventionieren, während gleichzeitig über vermeintliche „Leistungsgerechtigkeit“ im Sozialbereich diskutiert wird.
Die größere Baustelle: Soziale Gerechtigkeit
Die Vollsperrung auf der A565 ist symptomatisch für ein größeres Problem. Sie legt offen, wie abhängig unsere Gesellschaft von einem System ist, das den Einzelnen mit den Kosten und Unannehmlichkeiten infrastruktureller Versäumnisse allein lässt. Statt immer neue Schulden für Beton und Asphalt aufzunehmen, braucht es eine grundlegende Umverteilung. Eine Finanzierung durch Steuern auf extreme Vermögen, Erbschaften und Spekulationsgewinne könnte sowohl die Verkehrswende als auch die soziale Infrastruktur voranbringen. Sicherheit entsteht nicht durch immer mehr Straßen, sondern durch ein gerechtes Miteinander, in dem Mobilität für alle leistbar bleibt und niemand durch Sanktionen oder existenzunsichere Löhne an der Teilhabe gehindert wird.
Die Baustelle bei Bonn ist also mehr als ein lokales Ärgernis. Sie ist ein Aufruf, die Weichen endlich in Richtung einer sozialen und ökologischen Verkehrspolitik zu stellen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt – und nicht die Interessen derer, die von einem reparierbedürftigen Status quo profitieren.
Quelle: Autobahn GmbH des Bundes | Bild: Pixabay



