Der vergessene Krieg im Sudan: Wenn Interessen über Menschenleben stehen
Während die Weltöffentlichkeit gebannt auf die Ukraine und den Nahen Osten blickt, versinkt ein anderes Land in einem Strudel der Gewalt: der Sudan. Seit April 2023 tobt dort ein Bürgerkrieg zwischen der Armee unter General Abdel Fattah al-Burhan und den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) von General Mohamed Hamdan Daglo. Was als Machtkampf begann, hat sich zu einer humanitären Katastrophe epischen Ausmaßes entwickelt.
Wer sind die Akteure? Auf der einen Seite steht die Armee, die traditionell das Machtzentrum im Sudan bildet. Auf der anderen Seite die RSF, eine Miliz, die aus den berüchtigten Janjaweed-Milizen hervorgegangen ist, denen im Darfur-Konflikt (2003-2008) Völkermord und schwerste Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen wurden. Beide Seiten kämpfen um die Vorherrschaft im Land, ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung.
Was passiert im Sudan? Der Krieg hat das Land in Chaos und Verwüstung gestürzt. Millionen Menschen sind auf der Flucht, Hilfsorganisationen warnen vor einer drohenden Hungersnot. Krankenhäuser sind zerstört, die medizinische Versorgung ist zusammengebrochen. Berichte über Kriegsverbrechen, sexuelle Gewalt und ethnische Säuberungen häufen sich. Und das alles weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit.
Wo liegt das Problem? Der Sudan ist reich an Rohstoffen, insbesondere Gold. Verschiedene regionale und internationale Akteure haben ein Interesse an der Kontrolle über diese Ressourcen. Ägypten und Saudi-Arabien unterstützen die Armee, während die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) die RSF unterstützen sollen. Auch Russland ist im Sudan aktiv und versucht, seinen Einfluss in der Region auszubauen. Es geht um knallharte Interessen, nicht um Demokratie oder Menschenrechte.
Warum schweigt die Welt? Die Gründe für die mangelnde Aufmerksamkeit sind vielfältig. Zum einen lenken die Kriege in der Ukraine und in Gaza die Aufmerksamkeit auf sich. Zum anderen ist der Sudan ein komplexes Land mit einer unübersichtlichen politischen Landschaft. Es fehlt an einfachen Erklärungen und klaren Schuldzuweisungen. Und schließlich spielen auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle. Solange der Rohstofffluss nicht gefährdet ist, scheint das Schicksal der sudanesischen Bevölkerung zweitrangig zu sein.
Wie geht es weiter? Eine militärische Lösung des Konflikts ist unwahrscheinlich. Beide Seiten sind zu stark, um die andere zu besiegen. Es braucht eine politische Lösung, die die Interessen aller relevanten Akteure berücksichtigt. Doch solange die internationale Gemeinschaft nicht bereit ist, Druck auf die Konfliktparteien auszuüben und ihre Unterstützung für diese einzustellen, dürfte sich die Lage im Sudan weiter verschlimmern. Und während die Welt zusieht, sterben weiterhin Menschen – fernab der Kameras und Schlagzeilen.
Es ist an der Zeit, dass Deutschland eine eigenständige Außenpolitik betreibt, die sich nicht von den Interessen anderer Großmächte leiten lässt. Wir müssen uns für eine friedliche Lösung des Konflikts im Sudan einsetzen, auch wenn das bedeutet, unbequeme Wahrheiten auszusprechen und wirtschaftliche Interessen zu hinterfragen. Denn am Ende zählt nur eines: Menschenleben.
Bildquelle: KI-generiert – Dieser Beitrag wurde erstellt von Konfliktforscher



