Möbelindustrie in NRW verzeichnet deutlichen Absatzrückgang

Möbelindustrie in NRW verzeichnet deutlichen Absatzrückgang – ein Symptom tieferliegender Probleme

Düsseldorf. Die aktuellen Zahlen des Landesbetriebs IT.NRW zur Möbelproduktion in Nordrhein-Westfalen zeichnen ein klares Bild: Der Absatzwert sank im Jahr 2024 nominal um 7,7 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. Dieser Rückgang fällt deutlicher aus als im Bundesdurchschnitt (-6,8 %) und setzt einen längerfristigen Negativtrend fort. Seit 2020 hat die Branche in NRW über 200 Millionen Euro an Umsatz verloren. Während die politische Bühne oft von Konjunkturprognosen und globalen Märkten dominiert wird, offenbaren diese Daten eine konkrete Krise in einem wichtigen industriellen Kernland.

Konzentration und Abhängigkeit: Das Detmolder Modell unter Druck

Die Statistik zeigt eine extreme regionale Konzentration. Über drei Viertel der nordrhein-westfälischen Möbelproduktion, und sogar 94,8 Prozent der Küchenmöbel, stammen aus dem Regierungsbezirk Detmold. Diese wirtschaftliche Monokultur macht die Region und die dort Beschäftigten besonders verwundbar bei gesamtwirtschaftlichen Einbrüchen. Der Schwerpunkt auf Küchenmöbeln, bei denen NRW mit einem bundesweiten Wertanteil von 64,3 Prozent unangefochtener Marktführer bleibt, ist gleichzeitig Stärke und Risiko. Der Absatzwert in dieser Schlüsselkategorie sank um 5,2 Prozent.

Die Entwicklung ist branchenweit negativ: Sitzmöbel (-14,0 %), Büromöbel (-8,5 %) und sonstige Möbel wie Wohn- oder Schlafzimmereinrichtungen (-9,3 %) verzeichnen teils zweistellige Verluste. Einziger Lichtblick ist die Matratzenproduktion mit einem leichten Plus von 2,6 Prozent.

Mehr als eine Konjunkturdelle: Kaufkraftkrise trifft Mittelstand

Ein Rückgang dieser Dimension ist nicht einfach mit „schlechter Laune“ der Verbraucher zu erklären. Er spiegelt eine reale Schwächung der Kaufkraft breiter Bevölkerungsschichten wider. Möbel sind langlebige Gebrauchsgüter, deren Anschaffung in unsicheren Zeiten verschoben wird. Steigende Lebenshaltungskosten, insbesondere bei Energie und Wohnen, engen die finanziellen Spielräume für größere Anschaffungen massiv ein. Während über „Wirtschaftsstandorte“ und „Wettbewerbsfähigkeit“ diskutiert wird, fehlt es an der entscheidenden Stellschraube: der finanziellen Sicherheit derjenigen, die am Ende die Produkte auch kaufen sollen.

Die Krise in der Möbelindustrie ist somit ein Frühindikator. Sie zeigt, was passiert, wenn die soziale Basis einer Volkswirtschaft erodiert. Hochspezialisierte mittelständische Betriebe, wie sie für Detmold typisch sind, sind auf stabile Inlandsmärkte und eine kaufkräftige Kundschaft angewiesen. Beides scheint derzeit bröckelig.

Kein Anlass für Hilfspakete an Konzerne, sondern für eine Kurskorrektur

Angesichts solcher Zahlen ist die übliche Rhetorik von „Wirtschaftsförderung“ und „Entlastungen der Industrie“ nicht genug. Was die Möbelindustrie und mit ihr viele andere mittelständische Branchen brauchen, sind Kunden mit Geld in der Tasche. Das erfordert eine grundlegend andere Prioritätensetzung: weg von einer Politik, die auf Exportstärke und Budgetdisziplin pocht, hin zu einer, die Löhne, Renten und soziale Absicherung in den Mittelpunkt stellt.

Die Lösung liegt nicht in Subventionen für die Betriebe, sondern in der Stärkung der Massenkaufkraft durch existenzsichernde Löhne, eine solidarische Rentenpolitik und ein Ende des Sozialabbaus. Nur wenn die Menschen nicht jeden Euro zweimal umdrehen müssen, können sie auch wieder in qualitative, langlebige Produkte „made in NRW“ investieren. Der aktuelle Absatzrückgang ist weniger eine Managementaufgabe der Betriebe als vielmehr ein politisches Versäumnis der letzten Jahre.

Quelle: „Pressestelle IT.NRW“ | Bild: Archiv