Bauproduktion in NRW zeigt besorgniserregende Tendenzen

Bauproduktion in NRW zeigt besorgniserregende Tendenzen

Bauproduktion in NRW zeigt Risse im Fundament

Düsseldorf. Die aktuellen Zahlen des Landesbetriebs IT.NRW zur Bauproduktion im Oktober 2025 zeichnen ein widersprüchliches Bild. Während die Statistikbehörde einen langfristigen Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 hervorhebt, offenbaren die aktuellen Monatsdaten besorgniserregende Tendenzen, die auf strukturelle Probleme hindeuten.

Im Hochbau, dem Bereich, der unmittelbar die Wohnungs- und Lebenssituation der Menschen betrifft, ging die Produktion real um 4,4 Prozent zurück. Besonders drastisch ist der Einbruch im gewerblichen und industriellen Hochbau (-7,7 %) sowie im öffentlichen Hochbau (-6,4 %). Der Wohnungsbau, in einer Zeit explodierender Mieten und eines akuten Mangels an bezahlbarem Wohnraum dringender denn je, verzeichnete ebenfalls einen Rückgang um 0,8 Prozent.

Privat vor Staat: Eine gefährliche Schieflage

Die Entwicklung im Tiefbau unterstreicht eine politisch gewollte Prioritätensetzung: Während die Bauproduktion für gewerbliche und industrielle Vorhaben um 5,2 Prozent zulegte, sank sie im öffentlichen Tiefbau um 4,1 Prozent. Der Straßenbau, elementar für die alltägliche Mobilität der Bevölkerung, ging leicht zurück (-0,2 %).

Diese Zahlen sind kein Zufall, sondern Ausdruck einer Politik, die private Investitionen über die öffentliche Daseinsvorsorge stellt. Jeder Euro, der in Schulen, Krankenhäuser, soziale Infrastruktur und den Erhalt unserer Straßen und Brücken fehlt, ist eine bewusste Entscheidung. Die Folgen tragen diejenigen, die auf intakte öffentliche Infrastruktur und bezahlbaren Wohnraum angewiesen sind.

Langfristiger Vergleich kaschiert akute Probleme

Der Verweis auf das gestiegene Niveau gegenüber 2019 ist statistisch korrekt, aber politisch irreführend. Er blendet aus, dass wir uns in einer Phase befinden, in der die Baukosten explodieren, Fachkräfte fehlen und die Finanzierung von Bauvorhaben für Kommunen und private Haushalte immer schwieriger wird. Ein Blick auf die ersten zehn Monate 2025 zeigt den Trend: Die kumulierte Bauproduktion liegt bereits 1,9 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Die aktuellen Daten sind ein Alarmsignal. Sie zeigen, dass der dringend benötigte Ausbau und Erhalt unserer sozialen und öffentlichen Infrastruktur ins Stocken gerät. Statt auf kurzfristige Konjunkturspritzen für einzelne Wirtschaftszweige braucht es eine konsequente Investitionsoffensive in das, was der Gesellschaft dient: bezahlbarer Wohnraum, moderne Schulen, funktionierende Krankenhäuser und eine Verkehrsinfrastruktur für alle – nicht nur für den gewerblichen Güterverkehr.

Die Frage ist, ob der politische Wille da ist, die notwendigen Mittel durch eine gerechte Steuerpolitik aufzubringen, die große Vermögen und Konzerne angemessen beteiligt, anstatt die Lasten auf die breite Bevölkerung abzuwälzen. Die Bauzahlen von morgen werden die Antwort geben.

Quelle: „Pressestelle IT.NRW“ | Bild: Pixabay