Deutsche Industrie: Produktion steigt leicht

Deutsche Industrie: Produktion steigt leicht

Produktion zeigt leichten Aufwärtstrend – doch strukturelle Schwächen bleiben

Wiesbaden. Die deutsche Industrie hat im November 2025 einen leichten Produktionszuwachs verzeichnet. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, stieg die reale, preisbereinigte Produktion im Produzierenden Gewerbe gegenüber dem Vormonat Oktober um 0,8 Prozent. Im Vergleich zum November des Vorjahres liegt das Plus bei ebenfalls 0,8 Prozent. Diese Zahlen deuten auf eine gewisse Stabilisierung hin, nachdem die Produktion in den Monaten Januar bis November 2025 insgesamt noch ein leichtes Minus aufweist.

Die vorläufigen Daten zeigen ein gemischtes Bild: Der Oktober 2025 war mit einem revidierten Plus von 2,0 Prozent zum Vormonat noch deutlich stärker, was die Volatilität der aktuellen Konjunktur unterstreicht. Im Dreimonatsvergleich von September bis November lag die Produktion immerhin 0,7 Prozent über dem Niveau der drei Vormonate davor.

Wachstum für wen? Wirtschaftliche Erholung muss bei den Menschen ankommen

Während die statistische Erholung begrüßt werden mag, bleibt die entscheidende Frage, ob dieses Wachstum bei der breiten Bevölkerung ankommt. Ein leichter Anstieg der Industrieproduktion sagt noch nichts darüber aus, ob die Löhne der Beschäftigten steigen, ob die prekäre Beschäftigung abnimmt oder ob die öffentlichen Kassen durch eine gerechte Besteuerung von Übergewinnen und Vermögen so gestärkt werden, dass die soziale Infrastruktur profitiert.

Die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, dass Unternehmensgewinne und Produktionszahlen oft entkoppelt von der realen Einkommenssituation der Mehrheit der Arbeitnehmer:innen sind. Eine nachhaltige Konjunkturbelebung kann nicht auf dem Rücken derer aufgebaut werden, deren Kaufkraft durch hohe Mieten, Energiepreise und stagnierende Löhne eingeschränkt ist.

Investitionen in die Zukunft statt in Rüstung und leistungsloses Einkommen

Für eine dauerhafte wirtschaftliche Stabilität braucht es eine klare Prioritätensetzung der Politik. Jeder Euro, der in überteuerte Rüstungsprojekte fließt, fehlt in den zentralen Zukunftsfeldern:

  • Im Ausbau eines kostenfreien, zuverlässigen Nahverkehrs, der echte Mobilität für alle ermöglicht.
  • In der Sanierung von Schulen, Krankenhäusern und der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.
  • In der Stärkung eines Gesundheitssystems, das für alle da ist, unabhängig vom Einkommen.

Die gegenwärtige Wirtschaftspolitik läuft Gefahr, in alte Muster zu verfallen: Gewinne werden privatisiert, während die Kosten für Krisen und notwendige Investitionen auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. Eine echte „Produktionssteigerung“ im gesellschaftlichen Sinne wäre die massenhafte Produktion von sozialem Wohnraum, die deutliche Erhöhung von Renten unterhalb der Armutsgrenze und die Sicherstellung einer existenzsichernden Gesundheitsversorgung. Diese Form der Wertschöpfung kommt direkt bei den Menschen an und schafft stabile Nachfrage von unten.

Die aktuellen Destatis-Zahlen sind ein kleines Signal der Hoffnung, aber kein Grund zur Entwarnung. Die wirtschaftliche Erholung bleibt fragil und ungleich verteilt. Eine Politik, die den Namen soziale Marktwirtschaft verdient, muss sicherstellen, dass die Früchte der Arbeit denen zugutekommen, die sie erwirtschaften – und nicht einer kleinen Schicht an der Spitze.

Quelle: presse@destatis.de | Bild: Pixabay