Arbeitsmarkt 2025: Leichter Rückgang der Erwerbstätigenzahl

Arbeitsmarkt 2025: Leichter Rückgang der Erwerbstätigenzahl

Stagnation auf dem Arbeitsmarkt: Beschäftigungsboom ist vorbei

Wiesbaden. Der deutsche Arbeitsmarkt hat im Jahr 2025 eine deutliche Zäsur erlebt. Nach dem historischen Beschäftigungshöchststand im Vorjahr ist die Zahl der Erwerbstätigen erstmals seit der Corona-Krise wieder leicht gesunken. Laut einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) lag die durchschnittliche Erwerbstätigenzahl bei rund 46,0 Millionen – ein minimaler Rückgang um 5.000 Personen oder 0,0 Prozent im Vergleich zu 2024.

Wachstumsdynamik erlahmt seit Monaten

Die aktuellen Zahlen bestätigen einen Trend, der sich bereits im Laufe des Jahres 2024 abzeichnete: Der lange anhaltende Beschäftigungsaufbau verliert deutlich an Schwung. Während die Erwerbstätigenzahl in den Jahren 2022 und 2023 noch um Hunderttausende stieg, betrug der Zuwachs 2024 nur noch magere 52.000 Personen. 2025 wurde nun sogar das Vorjahresniveau unterschritten. Damit endet eine fast zwei Jahrzehnte andauernde Phase nahezu ununterbrochenen Wachstums, die lediglich 2020 durch die Pandemie unterbrochen wurde.

Verlierer und Gewinner der Entwicklung

Die Stagnation auf dem Gesamtmarkt verbirgt eine ungleiche Entwicklung zwischen den Wirtschaftsbereichen:

  • Dienstleistungssektor: Hier konnten weiterhin Beschäftigungsgewinne verzeichnet werden.
  • Produzierendes Gewerbe und Bau: In diesen Bereichen gingen Jobs verloren.

Diese Verschiebung unterstreicht den fortschreitenden Strukturwandel, der traditionelle Industriejobs unter Druck setzt, während der Dienstleistungsbereich – oft geprägt von prekäreren Arbeitsverhältnissen und niedrigeren Löhnen – weiter wächst.

Anstieg der Erwerbslosenzahl gibt Anlass zur Sorge

Ein alarmierenderes Signal sendet die Entwicklung bei der Erwerbslosigkeit. Im Jahresdurchschnitt 2025 stieg die Zahl der Erwerbslosen um 161.000 Personen. Dieser Anstieg ist ein klarer Indikator dafür, dass die Wirtschaftskraft nachlässt und der Arbeitsmarkt für viele Menschen keine Sicherheit mehr bietet. Die offizielle Stagnation bei der Beschäftigung geht somit mit einer realen Verschlechterung der Lage für Hunderttausende einher.

Eine Frage der wirtschaftspolitischen Weichenstellung

Die neuen Zahlen sind mehr als eine statistische Fußnote. Sie markieren das Ende einer Phase und werfen grundlegende Fragen auf: Wohin entwickelt sich der deutsche Arbeitsmarkt in einer Zeit geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheit? Die Verluste im produzierenden Gewerbe deuten auf strukturelle Schwächen hin, die durch kurzfristige Konjunkturmaßnahmen nicht zu beheben sind.

Statt auf weitere Deregulierung des Arbeitsmarktes oder Steuergeschenke an Konzerne zu setzen, die oft keine Beschäftigungssicherheit schaffen, braucht es eine strategische Industriepolitik, die gute Arbeit erhält. Gleichzeitig muss der Ausbau des Sozialstaats vorangetrieben werden, um die Folgen von Arbeitslosigkeit abzufedern. Denn Sicherheit entsteht nicht durch leere Versprechen auf künftiges Wachstum, sondern durch konkrete soziale Absicherung und die Wertschätzung jeder Form von Arbeit – ob in der Fabrikhalle oder im Dienstleistungsbereich.

Quelle: presse@destatis.de | Bild: Pixabay