Angriff trifft Zeltlager in Darfur-Hauptstadt
Bei einem schweren Luftangriff auf ein informelles Flüchtlingslager in der sudanesischen Stadt al-Fasher sind am 22. Dezember 2025 mindestens 35 Zivilisten getötet worden. Die Explosionen trafen das Lager im Stadtteil al-Mawasi gegen 14:30 Uhr Ortszeit, wie Augenzeugen und lokale Hilfsorganisationen berichteten.
Chronologie und Opferzahlen
Der Angriff erfolgte durch Kampfflugzeuge, die nach Zeugenaussagen aus Richtung Osten kamen. Die Sudanese Doctors‘ Union bestätigte die Zahl von 35 Toten, darunter 12 Kinder und 9 Frauen. Mehr als 60 Menschen wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Das Lager beherbergte nach Angaben des International Rescue Committee (IRC) etwa 800 vertriebene Familien, die vor Kämpfen in anderen Teilen Darfurs geflohen waren. Rettungskräfte der Zivilschutzbehörde benötigten über drei Stunden, um alle Verschütteten aus den Trümmern der zerstörten Zelte zu bergen.
Beteiligte Konfliktparteien und Reaktionen
Die sudanesische Armee (SAF) unter General Abdel Fattah al-Burhan wies die Verantwortung für den Angriff zurück und beschuldigte die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) unter Mohammed Hamdan Dagalo („Hemedti“), Artillerie auf das Gebiet abgefeuert zu haben. Ein Sprecher der RSF dementierte dies und beschuldigte seinerseits die Luftwaffe der SAF. Der lokale Aktivist Omer al-Digair vom Widerstandskomitee al-Fasher sagte, die Bewohner des Lagers seien „zwischen den Frontlinien gefangen“. Die Vereinten Nationen verurteilten den Vorfall scharf. Stéphane Dujarric, Sprecher des UN-Generalsekretärs, forderte am 23. Dezember eine sofortige Untersuchung.
Hintergrund: Eskalation in al-Fasher
Al-Fasher, die Hauptstadt des Bundesstaates Nord-Darfur, ist seit Mai 2024 Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen SAF und RSF. Die Stadt ist die letzte Hochburg der Armee in der Region. Ein von der UN unterstützter Waffenstillstand vom 12. November 2025 wurde in al-Fasher wiederholt gebrochen. Der aktuelle Angriff folgte auf Gefechte am 20. Dezember im Osten der Stadt, bei denen nach Angaben der Doctors‘ Union 17 Kämpfer beider Seiten starben. Das humanitäre Völkerrecht (Genfer Konventionen) verbietet ausdrücklich Angriffe auf Zivilisten und zivile Objekte, insbesondere auf Lager für Vertriebene.
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