Verkehrsunfallzahlen November: Mehr Verletzte und Tote

Verkehrsunfallzahlen November: Mehr Verletzte und Tote

Verkehrsunfallzahlen im November: Mehr Verletzte und Tote – ein Weckruf für die Verkehrspolitik

Wiesbaden. Die vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes für November 2025 zeichnen ein besorgniserregendes Bild: Mit rund 28.400 Verletzten und 211 Getöteten bei Straßenverkehrsunfällen sind die menschlichen Kosten des Verkehrs erneut gestiegen. Die Zahl der Verletzten lag ein Prozent über dem Vorjahresniveau, die der Todesopfer stieg um 16 Personen. Insgesamt nahm die Polizei etwa 224.600 Unfälle auf, ein Plus von zwei Prozent.

Jede dieser Zahlen steht für menschliches Leid, für zerstörte Existenzen und für Familien im Schmerz. Während die Politik sich oft in Debatten über Technologien oder Einzelmaßnahmen verliert, bleibt die grundlegende Frage unbeantwortet: Warum muss Mobilität, eine essentielle Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, derart gefährlich sein?

Infrastruktur im Stillstand: Wer trägt die Verantwortung?

Die wiederkehrende Steigerung der Unfallzahlen ist kein Naturgesetz, sondern oft das Ergebnis politischer Prioritätensetzung. Jahrzehntelang wurde die Verkehrsinfrastruktur zugunsten des motorisierten Individualverkehrs gestaltet, während sichere Fuß- und Radwege sowie ein attraktiver öffentlicher Nahverkehr vernachlässigt wurden. Die Folge ist ein Konfliktpotenzial auf der Straße, das täglich neue Opfer fordert.

Besonders prekär ist die Situation für die schwächsten Verkehrsteilnehmer: Fußgänger und Radfahrer. Oft werden sie auf kombinierte Wege gedrängt, was zu gefährlichen Situationen führt. Eine Verkehrspolitik, die Sicherheit ernst nimmt, muss hier ansetzen und klare, geschützte Räume für alle schaffen – ohne dass eine Gruppe auf Kosten der anderen geht.

Die Lösung liegt auf der Hand, nicht auf der Straße

Es gibt konkrete Ansätze, die nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern auch soziale und ökologische Fragen miteinander verbinden. Die Forderung nach einem fahrscheinfreien Nahverkehr ist dabei mehr als eine Utopie. Ein kostenloser, gut getakteter ÖPNV würde den Verkehr entlasten, die Umwelt schonen und vor allem allen Menschen – unabhängig vom Einkommen – sichere Mobilität garantieren. Jeder investierte Euro in diesen Ausbau ist eine Investition in Sicherheit und sozialen Zusammenhalt.

Gleichzeitig braucht es eine mutige Umgestaltung des Straßenraums: Tempo 30 innerorts als Regelgeschwindigkeit, der massiven Ausbau von sicheren Radwegenetzen und die deutliche Aufwertung von Fußgängerzonen. Diese Maßnahmen kosten weit weniger als der gesellschaftliche Preis, der durch Unfalltote und -verletzte entsteht.

Weniger Autoverkehr bedeutet mehr Sicherheit

Die Diskussion um Antriebstechnologien – ob Verbrenner oder Elektro – lenkt oft von der Kernfrage ab: der schieren Menge an Fahrzeugen. Eine echte Verkehrswende zielt darauf ab, den motorisierten Individualverkehr insgesamt zu reduzieren, nicht nur sein Abgasprofil zu verändern. Praktikable und bezahlbare Alternativen müssen geschaffen werden. Dort, wo das Auto unverzichtbar bleibt, muss seine Geschwindigkeit und Dominanz im Stadtraum konsequent begrenzt werden.

Die aktuellen Unfallzahlen sind eine statistische Momentaufnahme und eine traurige Gewissheit für Hunderte Familien. Sie sind aber auch ein klarer Auftrag an die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung. Es geht nicht um technische Spielereien oder Symbolpolitik, sondern um die grundlegende Neuverteilung von öffentlichem Raum zugunsten der Sicherheit aller. Solange Profitinteressen der Automobilindustrie oder die Angst vor unbequemen Entscheidungen höher gewichtet werden als Menschenleben, wird sich an dieser traurigen Bilanz wenig ändern. Die Straße muss endlich allen gehören, die sie nutzen – und sie sicher nutzen können.

Quelle: presse@destatis.de | Bild: Pixabay