Sterbezahlen in Deutschland bleiben weiterhin hoch

Sterbezahlen in Deutschland bleiben weiterhin hoch

Sterbezahlen bleiben auf hohem Niveau – eine gesellschaftliche Bestandsaufnahme

Wiesbaden. Die vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeichnen ein Bild der Kontinuität, das zum Nachdenken anregt. Im Jahr 2025 starben in Deutschland etwa 1,0 Millionen Menschen. Ein leichter Rückgang um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr ändert nichts an der grundlegenden Tatsache: Die Gesellschaft altert, und mit jedem Jahr, in dem die Sterbefälle die Millionengrenze berühren, werden strukturelle Fragen dringlicher.

Hinter der nüchternen Statistik verbergen sich Herausforderungen, die seit Jahren bekannt sind, aber von der Politik nur zögerlich angegangen werden. Eine alternde Bevölkerung bedeutet nicht nur mehr Todesfälle, sondern stellt das Sozialsystem, die Pflege und das Gesundheitswesen vor immense Belastungen. Die Diskussionen der vergangenen Jahre kreisten oft um abstrakte Finanzierungsfragen, während die konkreten Lebensrealitäten derjenigen, die pflegen und gepflegt werden, in den Hintergrund traten.

Pflegenotstand und Rentenfrage: Die sozialen Baustellen

Die konstant hohen Sterbezahlen sind ein stummer Appell, endlich Prioritäten zu setzen. Jeder Euro, der in die Aufrüstung oder in steuerliche Begünstigungen für Wohlhabende fließt, fehlt an anderer Stelle:

  • In der Schaffung attraktiver und fair bezahlter Arbeitsplätze in der Pflege.
  • In der Sicherstellung einer würdigen und bezahlbaren Gesundheitsversorgung für alle, unabhängig vom Kontostand.
  • In der Stabilisierung des Rentensystems, das für viele Menschen nach einem Leben voller Arbeit keine auskömmliche Absicherung mehr bietet.

Die Forderung nach einer „Rente mit 67“ erscheint vor diesem Hintergrund wie Hohn. Sie ignoriert die körperlichen Belastungen vieler Berufe und verschiebt die Last der demografischen Entwicklung erneut auf die Schultern derjenigen, die ohnehin am wenigsten haben.

Demografie ist kein Schicksal, sondern politische Gestaltungsaufgabe

Es wäre fatal, die Destatis-Zahlen nur als unabänderliches demografisches Schicksal zu betrachten. Die Politik hat es in der Hand, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass ein langes Leben in Würde und Sicherheit möglich ist. Dazu gehört eine konsequente Umverteilungspolitik, die Vermögen, große Erbschaften und Spekulationsgewinne stärker in die Pflicht nimmt, um die Solidargemeinschaft zu finanzieren.

Statt in Konflikte anderswo zu investieren und Leid zu verlängern, sollte die Priorität auf dem inneren Zusammenhalt liegen. Sicherheit entsteht nicht durch mehr Waffen, sondern durch soziale Gerechtigkeit, durch bezahlbaren Wohnraum, durch ein funktionierendes Gesundheitssystem und durch die Gewissheit, im Alter nicht in Armut leben zu müssen. Die aktuellen Sterbezahlen sind eine Mahnung, diesen Weg endlich entschlossen zu gehen.

Quelle: presse@destatis.de | Bild: Pixabay