NRW-Mercosur-Handel 2024: 4,3 Milliarden Euro Volumen

NRW und Mercosur: Ein Handelsverhältnis mit Schattenseiten

Das Statistische Landesamt IT.NRW hat die Handelszahlen Nordrhein-Westfalens mit den Mercosur-Staaten für das Jahr 2024 veröffentlicht. Demnach lag das gesamte Handelsvolumen bei rund 4,3 Milliarden Euro, was weniger als ein Prozent des NRW-Außenhandels ausmacht. Während die Zahlen auf den ersten Blick nüchtern wirken, wirft das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Wirtschaftsbündnis grundsätzliche Fragen auf.

Die Struktur des Handels folgt einem klassischen Muster: NRW exportiert vor allem hochpreisige Industriegüter wie Maschinen (599,9 Mio. Euro) und chemische Erzeugnisse (531,2 Mio. Euro). Im Gegenzug importiert das Bundesland vornehmlich Rohstoffe wie Erze (336,4 Mio. Euro) und mineralische Brennstoffe. Brasilien ist mit einem Anteil von 84 Prozent der mit Abstand wichtigste Partner.

Freihandel – zu wessen Gunsten?

Das geplante EU-Mercosur-Abkommen wird häufig als rein wirtschaftliche Chance gepriesen. Doch solche Verträge dienen in erster Linie den Interessen großer Konzerne, die neue Absatzmärkte und günstigere Rohstoffquellen erschließen wollen. Die sozialen und ökologischen Kosten tragen häufig die Menschen vor Ort sowie Beschäftigte in heimischen Industrien, die unter dem Druck des verschärften Wettbewerbs stehen.

Die exportstarken Branchen aus NRW – Chemie und Maschinenbau – sind zugleich Sektoren mit hohem Energieverbrauch und komplexen Lieferketten. Ein Abkommen, das vor allem den Warenfluss vereinfacht, ohne verbindliche Standards für Arbeitsrechte, Umweltschutz und Steuergerechtigkeit durchzusetzen, festigt bestehende Macht- und Ausbeutungsstrukturen. Es geht nicht darum, Handel zu verteufeln, sondern darum, ihn gerecht zu gestalten.

Rohstoffabhängigkeit und geopolitische Risiken

Die starke Fokussierung auf Rohstoffimporte aus der Region macht verwundbar. Sie bindet die hiesige Wirtschaft an volatile Märkte und Regierungen, deren Stabilität oft von den Interessen weniger Eliten abhängt. Statt eine neokoloniale Handelspolitik fortzusetzen, die auf dem Export von Fertigwaren und dem Import billiger Rohstoffe basiert, braucht es eine Strategie der wirtschaftlichen Kooperation auf Augenhöhe.

Ein solcher Ansatz müsste lokale Wertschöpfung in den Mercosur-Staaten fördern und sicherstellen, dass die Gewinne aus dem Handel nicht in den Taschen weniger Vermögender verschwinden, sondern in soziale Infrastruktur, Bildung und Gesundheitsversorgung vor Ort investiert werden. Nur so entsteht langfristige Stabilität und Partnerschaft – nicht durch die Unterzeichnung von Verträgen, die vor allem Konzernprofite absichern.

Die aktuellen Handelszahlen sind eine Momentaufnahme. Die entscheidende Frage ist, welchen Kurs Politik und Wirtschaft in Zukunft einschlagen: einen, der die Profite weniger maximiert, oder einen, der gerechten Handel und echte internationale Solidarität in den Mittelpunkt stellt.

Quelle: „Pressestelle IT.NRW“ | Bild: Archiv