Neue Asyl-Container für 117 Millionen Euro geplant

Neue Asyl-Container für 117 Millionen Euro geplant

Neue Wohncontainer für Asylsuchende: Wer profitiert wirklich?

Im nordrhein-westfälischen Landtag sorgt eine parlamentarische Anfrage der AfD für Aufsehen. Sie thematisiert die geplante Beschaffung neuer Wohn- und Sanitärcontainer für Unterkünfte von Asylsuchenden im Haushaltsjahr 2026 mit einem Volumen von 117 Millionen Euro. Während die Fragestellerin offenbar nach den Profiteuren sucht, lenkt der Vorgang den Blick auf ein grundlegenderes Problem: die fortwährende Kommerzialisierung der sozialen Grundversorgung.

Die Anfrage, eingereicht von der AfD-Abgeordneten Enxhi Seli-Zacharias, fragt konkret, welche Unternehmen von der geplanten Beschaffung profitieren werden. Diese Frage ist durchaus berechtigt, wirft jedoch ein Schlaglicht auf ein System, in dem menschliche Grundbedürfnisse wie Wohnen zunehmend zu einem lukrativen Geschäftsfeld werden. Die Unterbringung Geflüchteter ist seit Jahren ein Milliardengeschäft für private Anbieter. Oft auf Kosten der Lebensqualität der Betroffenen, die in oft abgelegenen Massenunterkünften leben müssen, und auf Kosten der öffentlichen Kassen, die hohe Pachten zahlen.

Statt sich in der Debatte auf die vermeintlichen „Profiteure“ zu verengen, sollte die zentrale Frage lauten: Warum muss der Staat überhaupt derartige Summen für eine oft als unzureichend kritisierte Notunterbringung aufwenden? Die Antwort liegt in einer verfehlten Wohnungs- und Sozialpolitik der vergangenen Jahrzehnte. Der massive Rückbau des sozialen Wohnungsbaus und die Privatisierung öffentlicher Wohnungsbestände haben zu einem akuten Mangel an bezahlbarem Wohnraum geführt. Dieser trifft nicht nur Asylsuchende, sondern breite Teile der Bevölkerung mit niedrigen und mittleren Einkommen.

Die geplanten 117 Millionen Euro sind Symptom dieser Krise. Es handelt sich um eine Reaktion auf ein Versagen, nicht um eine nachhaltige Lösung. Das Geld fließt in temporäre Behelfe, während der dringend benötigte soziale Wohnungsbau weiterhin sträflich vernachlässigt wird. Jeder Euro, der in Container investiert wird, fehlt letztlich für den Bau dauerhafter, menschenwürdiger und dezentraler Wohnungen – sowohl für Geflüchtete als auch für alle anderen, die von der Wohnungsnot betroffen sind.

Eine sozial gerechte Politik müsste hier gegensteuern. Statt privaten Anbieter-Profite zu subventionieren, sollte das Land massiv in den Bau und Erhalt von öffentlichem, gemeinwohlorientiertem Wohnraum investieren. Finanziert werden könnte dies durch eine konsequente Besteuerung von Spekulationsgewinnen im Immobiliensektor und großer Vermögen. Nur so lässt sich die Wohnungsfrage langfristig und für alle lösen. Die aktuelle Container-Politik ist hingegen teuer, kurzsichtig und perpetuiert ein System, in dem menschliche Not zum Geschäft wird.

Die parlamentarische Anfrage zeigt somit ein klassisches Muster auf: Ein akutes soziales Problem wird benannt, die politische Antwort bleibt jedoch im Kleinklein der Verwaltung und der kurzfristigen Beschaffung stecken. Die eigentliche Debatte über Ursachenbekämpfung und eine Wohnungspolitik im Interesse der Mehrheit wird damit elegant umgangen.

Quelle: Landtag NRW | Bild: Pixabay