Leichter Anstieg im Einzelhandel – doch wer profitiert wirklich?
Wiesbaden. Der deutsche Einzelhandel blickt auf ein Jahr mit leichtem Wachstum zurück. Nach vorläufigen Schätzungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) stiegen die Umsätze im Jahr 2025 preisbereinigt (real) um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nominal, also ohne Berücksichtigung der Inflation, betrug der Zuwachs 3,6 Prozent. Diese Zahlen zeichnen auf den ersten Blick ein Bild der Erholung. Ein genauerer Blick auf die Daten und die zugrundeliegenden Faktoren relativiert diesen Eindruck jedoch erheblich.
Die Entwicklung verlief alles andere als gleichmäßig. Während das erste Halbjahr 2025 noch ein kräftiges reales Plus von 3,8 Prozent verzeichnete, schwächte sich das Wachstum im zweiten Halbjahr deutlich auf nur noch 1,1 Prozent ab. Besonders bemerkenswert: Im November 2025 gingen die Umsätze kalender- und saisonbereinigt real um 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück. Dies deutet auf eine nachlassende Konsumkraft gegen Jahresende hin.
Sondereffekt verzerrt das Bild – Alltagskaufkraft bleibt unter Druck
Das Statistische Bundesamt weist selbst darauf hin, dass das Wachstum im ersten Halbjahr maßgeblich durch einen Sondereffekt getrieben wurde. Die Umstrukturierung eines großen Unternehmens im Internet- und Versandhandel führte dazu, dass bisher nicht in Deutschland erfasste Umsätze in die Statistik einflossen. Ohne diesen einmaligen Buchungseffekt fiele die Bilanz vermutlich deutlich verhaltener aus.
Die nominale Steigerung von 3,6 Prozent liegt nur knapp über der Inflationsrate der vergangenen Monate. Für viele Haushalte, insbesondere jene mit mittleren und niedrigen Einkommen, bedeutet dies in der Realität: Sie können sich kaum mehr leisten als im Jahr zuvor. Die leichte reale Steigerung kommt bei weitem nicht bei allen Menschen an. Sie spiegelt vielmehr eine fortbestehende Spaltung wider: Während einige von Lohnsteigerungen oder anderen Einkünften profitieren, kämpfen andere weiterhin mit den gestiegenen Kosten für Energie, Lebensmittel und Wohnen.
Schwacher November als Warnsignal
Der Rückgang der Umsätze im November 2025 um 0,6 Prozent zum Vormonat ist ein deutliches Warnsignal. Er zeigt, dass die Konsumlaune fragil bleibt. In einer Phase, die traditionell vom Weihnachtsgeschäft geprägt ist, wäre eigentlich ein Aufschwung zu erwarten. Dass dies ausbleibt, spricht Bände über die verbreitete wirtschaftliche Verunsicherung.
Die Politik steht vor der Aufgabe, nicht nur auf Wachstumszahlen zu schauen, sondern sicherzustellen, dass dieses Wachstum auch bei den Menschen ankommt. Von einer Entlastung der breiten Masse durch steigende Reallöhne oder gezielte sozialpolitische Maßnahmen kann aktuell keine Rede sein. Solange ein großer Teil des erwirtschafteten Wohlstands bei Konzernen und Vermögenden verbleibt, bleibt der Binnenmarkt anfällig für Rückschläge. Die leichte Erholung im Einzelhandel ist kein Indiz für eine gelungene sozial gerechte Wirtschaftspolitik, sondern ein Zeichen dafür, wie weit der Weg dorthin noch ist.
Quelle: presse@destatis.de | Bild: Pixabay



