Tagesaktuelle Wirtschaftsnachrichten Deutschland: November 2025
Die deutsche Wirtschaft verharrt im November 2025 in einer Phase der Stagnation, die den Mittelstand und die Arbeitnehmer weiterhin tief besorgt. Trotz punktueller Lichtblicke, insbesondere an den Börsen, fehlt es an einem breiten und nachhaltigen Aufschwung. Herausforderungen wie hartnäckige Inflation, hohe Energiekosten und strukturelle Probleme im Handwerk und in Teilen der Industrie belasten die Stimmung und die Realwirtschaft.
Inflation: Hartnäckigkeit und Kaufkraftverlust
Die Inflationsrate in Deutschland hält sich im November 2025 stabil bei voraussichtlich 2,3 Prozent, dem gleichen Niveau wie im Oktober. Damit bleibt die Teuerung hartnäckig über der Zwei-Prozent-Marke. Haupttreiber sind weiterhin die Preise für Dienstleistungen, die um 3,5 Prozent zum Vorjahr gestiegen sind, teilweise bedingt durch höhere Lohnkosten. Auch wenn die Lebensmittelpreise mit einem Anstieg von 1,2 Prozent unterhalb der allgemeinen Inflationsrate liegen, spüren die Haushalte beim täglichen Einkauf, dass viele Nahrungsmittel im Vergleich zu früheren Jahren deutlich teurer sind. Die Kerninflation, die schwankungsanfällige Preise für Nahrungsmittel und Energie ausklammert, verringerte sich leicht auf 2,7 Prozent. Diese Entwicklung zehrt weiterhin an der Kaufkraft der Menschen, die für ihren Euro real weniger erhalten.
Energiepreise: Gemischtes Bild für Verbraucher
Bei den Energiepreisen zeigt sich ein differenziertes Bild. Insgesamt waren Kraftstoffe, Strom und Gas im November 2025 um 0,1 Prozent günstiger als im Vorjahresmonat. Für Neukunden sind die Strompreise deutlich gesunken und liegen im November 2025 bei durchschnittlich etwa 23 Cent pro Kilowattstunde. Bestandskunden zahlen im Durchschnitt jedoch weiterhin rund 33,5 Cent pro Kilowattstunde. Die Netzentgelte sind seit Jahresbeginn um durchschnittlich 3,4 Prozent gestiegen, und der CO2-Preis wurde im Januar 2025 auf 55 Euro pro Tonne angehoben, was sich auf die Strompreise auswirken kann. Während Verbraucher in Regionen mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien Entlastungen erleben könnten, steigen die Preise für Heizöl um 4,1 Prozent und für feste Brennstoffe wie Brennholz oder Holzpellets sogar um 18,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dies belastet insbesondere Haushalte, die auf diese Heizformen angewiesen sind.
Arbeitsmarkt: Leichter Rückgang, strukturelle Sorgen
Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt im November 2025 eine saisonübliche Entspannung: Die Arbeitslosenzahl sank um 26.000 auf 2,885 Millionen Menschen. Die Arbeitslosenquote verringerte sich entsprechend um 0,1 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent. Trotz dieses monatlichen Rückgangs liegt die Arbeitslosenzahl im Vergleich zum November des Vorjahres um 111.000 höher, was die anhaltende konjunkturelle Schwäche unterstreicht. Die Nachfrage nach Arbeitskräften stabilisiert sich zwar auf niedrigem Niveau, bleibt aber insgesamt verhalten. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erreichte im September mit rund 35,23 Millionen einen Höchststand, wobei ein wesentlicher Teil dieses Wachstums auf die Beschäftigung ausländischer Staatsangehöriger zurückzuführen ist. Besonders besorgniserregend ist die Jugendarbeitslosigkeit, die gegenüber dem Vorjahr deutlich höher liegt und viele junge Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung betrifft. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) registrierte im September 209.000 Empfänger von konjunkturellem Kurzarbeitergeld, eine Zunahme zum Vormonat, aber weniger als vor einem Jahr. BA-Chefin Andrea Nahles kommentierte die Lage mit den Worten: „Die Schwäche der Konjunktur hält an und der Arbeitsmarkt bleibt ohne Schwung.“
DAX: Glänzende Fassade trügt über breite Schwäche hinweg
Der DAX, der Leitindex der 40 größten deutschen Unternehmen, verzeichnete bis zum 26. November 2025 ein beachtliches Jahresplus von rund 19 Prozent und übertraf damit die meisten globalen Aktienmärkte. Aktuell notiert der Index um 23.753 Punkte. Dieser scheinbare Erfolg darf jedoch nicht über die zugrunde liegende wirtschaftliche Stagnation in Deutschland hinwegtäuschen. Die beeindruckende Performance ist stark konzentriert: Lediglich fünf Unternehmen – Rheinmetall (+~140%), Siemens Energy (~+120%), Commerzbank (~118%), Heidelberg Materials (~+85%) und Deutsche Bank (~+84%) – sind für 60 bis 80 Prozent der Indexgewinne verantwortlich. Dies deutet auf ein hohes Konzentrationsrisiko hin, bei dem eine Korrektur in diesen wenigen Sektoren die Jahresperformance schnell zunichtemachen könnte. Trotz der allgemeinen Wirtschaftsschwäche zeigen die Märkte Optimismus hinsichtlich der fiskalischen Maßnahmen der Bundesregierung. Dazu gehören ein Infrastrukturfonds von 500 Milliarden Euro und erhebliche Steigerungen der Verteidigungsausgaben, die 2025 86 Milliarden Euro (2,4 % des BIP) erreichen und bis 2029 auf 162 Milliarden Euro anwachsen sollen. Analysten erwarten kurzfristig einen weiteren Anstieg des DAX Richtung 24.500 Punkte, nachdem möglicherweise ein Verlaufstief bei 23.449 Punkten erreicht wurde.
Mittelstand und Handwerk: Existenzsorgen und Stagnation
Die Stagnation der deutschen Wirtschaft trifft den Mittelstand und das Handwerk besonders hart und löst dort tiefe Existenzsorgen aus. Der KfW-ifo-Geschäftsklimaindex für den Mittelstand stagnierte im November bei minus 14,5 Punkten, weit unter dem langjährigen Durchschnitt. Die Unternehmen kämpfen mit sinkenden Umsätzen bei gleichzeitig rapide steigenden Löhnen, was zu massivem Kostendruck führt und die Wettbewerbsfähigkeit schwächt. Dies hat zur Folge, dass immer mehr Unternehmen aufgeben, während Neugründungen zurückgehen.
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen steigt weiter an. Im Oktober 2025 wurden 1.553 Firmeninsolvenzen registriert, ein Anstieg um 5 Prozent gegenüber dem Vormonat und 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders besorgniserregend sind Großinsolvenzen, die ganze Lieferketten gefährden können. Die Maschinenbau- und Metallwarenbranche erlebt eine Strukturkrise, mit explodierenden Großinsolvenzen von 30 Prozent im Maschinenbau und 79 Prozent bei Metallwarenherstellern im Vergleich zum Vorjahr, maßgeblich getrieben durch die Schwäche der Automobilbranche.
Im Handwerk tritt die Konjunktur ebenfalls auf der Stelle, und die Stimmung in den Betrieben bleibt gedämpft. Die Betriebe leiden unter hohen Material- und Rohstoffkosten, Energiepreisen und steigenden Lohnkosten, die bei rückläufigem Umsatz erwirtschaftet werden müssen. Die Investitionsneigung ist schwach und beschränkt sich oft auf das Notwendigste. Trotzdem gibt es erste zaghafte Anzeichen einer konjunkturellen Erholung, insbesondere im Bauhauptgewerbe, auch wenn die Gesamtlage fragil bleibt. Der Mangel an Fachkräften und Auszubildenden bleibt ein strukturelles Problem, das viele unbesetzte Stellen hinterlässt.
Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Peter Leibinger, mahnt Innovation statt „Rumjammern“ an, um dem teuren Standort Deutschland entgegenzuwirken. Die Bertelsmann Stiftung hebt hervor, dass der Mittelstand bei Produktivität, Digitalisierung und Innovation gegenüber Großunternehmen zurückfällt und dringend staatliche Unterstützung bei der Transformation benötigt.
Politische Reaktionen und Ausblick
Angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen kündigte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) im Bundestag Reformen der sozialen Sicherungssysteme an, um Deutschland als attraktiven Standort zu erhalten. Er betonte jedoch, dass die großen Herausforderungen mit den Haushalten für 2027 und 2028 kommen würden. Forderungen aus Wirtschaft und Handwerk nach spürbaren Reformimpulsen zur Bekämpfung von Bürokratie, hohen Energiekosten und einer unklaren Wirtschaftspolitik bleiben bestehen. Gleichzeitig wurde die fehlende Umsetzung versprochener Verbesserungen für die Industrie kritisiert.
Ein weiteres Problem, das die wirtschaftliche und soziale Infrastruktur belastet, ist der Mangel an Betreuungsplätzen: Aktuell fehlen in Deutschland 300.000 Kitaplätze für unter Dreijährige, was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erschwert und ein wichtiges Potenzial für den Arbeitsmarkt ungenutzt lässt.
Für das kommende Jahr 2026 erwarten Wirtschaftsforschungsinstitute eine leichte Erholung, wobei die umfassende Erholung der deutschen Wirtschaft frühestens für 2026 prognostiziert wird.
Bild: KI-Generiert (Symbolbild)
Redaktion (29.11.2025) – Wirtschaftsredaktion




