Aufruhr auf den Philippinen: Korruptionsskandal um Hochwasserschutzprojekte erschüttert das Land


Fokus-Land heute: Philippinen

Ein Land im Würgegriff der Korruption: Die Flut des Zorns auf den Philippinen

Die Philippinen, eine Inselnation im Herzen Südostasiens, bekannt für ihre atemberaubende Natur und die herzliche Gastfreundschaft ihrer Menschen, blicken in diesen Novembertagen 2025 auf eine tiefgreifende innenpolitische Krise. Es ist nicht die jüngste Serie verheerender Taifune wie „Uwan“ oder „Verbena“, die das Land heimsuchte und weite Landstriche verwüstete, die die Schlagzeilen dominieren. Vielmehr ist es eine Flut der Empörung, die sich im Archipel ausbreitet – ausgelöst durch einen massiven Korruptionsskandal im Zusammenhang mit Hochwasserschutzprojekten, der das Vertrauen in die politische Elite zutiefst erschüttert.

Tausende Menschen, darunter auch Geistliche der katholischen Kirche, versammelten sich am Sonntag, dem 30. November, erneut zu Protesten in Manila, um die rasche Verfolgung hochrangiger Gesetzgeber und Beamter zu fordern, die in den Skandal verwickelt sind. Linke Gruppen organisierten separate Demonstrationen mit der klaren Forderung nach sofortigem Rücktritt und strafrechtlicher Verfolgung aller involvierten Regierungsvertreter. Die Wut der Bevölkerung ist greifbar, denn es geht um Milliarden von Pesos – umgerechnet über 200 Millionen US-Dollar – die für dringend benötigte Infrastrukturprojekte, die das Land vor den immer häufiger werdenden Naturkatastrophen schützen sollen, in dunklen Kanälen versickert sein sollen.

Präsident Ferdinand Marcos Jr. steht unter enormem Druck, die öffentliche Empörung über die massive Korruption zu besänftigen, die für minderwertige, defekte oder gar nicht existierende Hochwasserschutzprojekte verantwortlich gemacht wird. Er hat versprochen, dass viele der mindestens 37 mächtigen Senatoren, Kongressabgeordneten und wohlhabenden Bauunternehmer, die in den Skandal verwickelt sind, bis Weihnachten im Gefängnis sitzen werden. Die philippinische Nationalpolizei äußerte sich zuversichtlich, alle verbleibenden Beschuldigten im ersten Korruptionsfall im Zusammenhang mit Hochwasserschutzprojekten vor Sandiganbayan, dem Sondergericht für Korruptionsfälle, zur Rechenschaft ziehen zu können.

Der Skandal ist nicht neu, gewinnt aber in den letzten Wochen an Dramatik. Schon im September fanden massive Proteste statt, bei denen zehntausende Filipinos gegen die Veruntreuung von Geldern demonstrierten, die für die Prävention von Naturkatastrophen vorgesehen waren. Die Bewegung, die sich als politisch ungebunden bezeichnet, fordert Aufklärung und Gerechtigkeit, insbesondere angesichts der Tatsache, dass innerhalb eines Jahrzehnts bis zu umgerechnet 14 Milliarden Schweizer Franken bei fast 10.000 Hochwasserregulierungsprojekten in den Kanälen der Korruption versickert sein sollen. Der Nationale Kirchenrat der Philippinen zweifelt daran, dass nur niedrigrangige Beamte in den Betrug verwickelt waren, und fordert die Rechenschaftspflicht auch höherer Beamter.

Die Auswirkungen der Korruption reichen weit über die fehlende Infrastruktur hinaus. Sie dämpft das Investitionsklima und beeinträchtigt die wirtschaftlichen Aussichten des Landes. Während die Zentralbank für November eine Inflationsrate zwischen 1,1 % und 1,9 % erwartet und die Regierung optimistisch ist, dass sich die Wirtschaft bis 2026 erholen wird, warnen Analysten, dass die Ausweitung der Antikorruptionskampagne die wirtschaftliche Verlangsamung verlängern könnte.

Zusätzlich zu den Korruptionsvorwürfen gibt es auch politische Spannungen. Der Palast hat Vizepräsidentin Sara Duterte vorgeworfen, die Regierung zu destabilisieren, nachdem sie öffentlich ihre Bereitschaft bekundet hatte, die Präsidentschaft zu übernehmen, sollte Präsident Marcos zurücktreten. Gerüchte über Umsturzversuche und die Verifizierung einer Liste von Persönlichkeiten durch die Streitkräfte der Philippinen, die hinter solchen Plänen stecken sollen, unterstreichen die fragile politische Lage.

Die Philippinen stehen an einem Scheideweg. Die Wut der Bevölkerung über die grassierende Korruption hat einen Punkt erreicht, an dem die Regierung nicht länger wegschauen kann. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Präsident Marcos Jr. in der Lage ist, seine Versprechen einzuhalten und die „großen Fische“ zur Rechenschaft zu ziehen, um das Vertrauen der Filipinos in ihre Institutionen wiederherzustellen und dem Land eine Zukunft ohne die wiederkehrende Geißel der Korruption zu ermöglichen. Der Kampf gegen die Korruption ist hier mehr als eine politische Auseinandersetzung; er ist ein Kampf um die Seele der Nation und ihre Fähigkeit, sich gegen die zerstörerischen Kräfte der Natur und der menschlichen Gier zu behaupten.

Symbolbild: Pixabay / wal_172619


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