Inflationsrate stabilisiert sich – doch für viele bleibt die Entlastung aus
Wiesbaden. Die offizielle Inflationsstatistik des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigt für das Jahr 2025 eine scheinbare Beruhigung. Mit einer durchschnittlichen Teuerungsrate von 2,2 Prozent liegt die Preissteigerung auf demselben Niveau wie im Vorjahr und damit deutlich unter den Höchstwerten der Jahre 2022 und 2023. Im Dezember 2025 fiel die monatliche Rate sogar auf 1,8 Prozent. Die Präsidentin des Amtes, Ruth Brand, spricht von einer „stabilisierten“ Entwicklung.
Doch hinter diesen aggregierten Zahlen verbirgt sich eine andere Realität für einen Großteil der Bevölkerung. Während die Gesamtinflation sinkt, bleiben die Preise für lebensnotwendige Güter wie Lebensmittel, Energie und Wohnen auf einem historisch hohen Niveau. Die Entlastung, von der in politischen und wirtschaftlichen Kreisen gesprochen wird, kommt bei den Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen oft nicht an. Ihre Kaufkraft wurde in den vergangenen Jahren nachhaltig geschwächt, und eine moderate Gesamtinflation gleicht diesen Verlust nicht aus.
Statistik vs. Alltag: Die Schere zwischen Arm und Reich
Die Meldung einer stabilen Inflation darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die soziale Ungleichheit weiter zunimmt. Während Kapitaleinkommen und Unternehmensgewinne in vielen Sektoren steigen, hinken Löhne und Sozialleistungen hinterher. Die kalte Progression bei der Einkommensteuer frisst nominelle Lohnzuwächse auf, und das Bürgergeld-System bleibt mit Sanktionen behaftet, die Menschen in existenzielle Nöte treiben können.
- Die Stabilisierung der Inflation ist kein Selbstzweck, sondern muss sich in der Lebensrealität der Menschen widerspiegeln.
- Solange die Lohnentwicklung und die soziale Absicherung nicht mit der allgemeinen Preisentwicklung Schritt halten, handelt es sich bei positiven Inflationsmeldungen um eine statistische Beruhigungspille.
- Die Politik ist gefordert, endlich Maßnahmen zu ergreifen, die zu einer spürbaren Umverteilung führen: durch höhere Besteuerung von Spitzeneinkommen, Vermögen und Erbschaften sowie die Abschaffung der Rente mit 67.
Geld für soziale Sicherheit, nicht für Rüstung
In der aktuellen Debatte wird oft vergessen, welch immense Summen parallel in die Aufrüstung und in internationale Konflikte fließen. Jeder Euro, der für Waffenlieferungen und militärische Projekte ausgegeben wird, fehlt an anderer Stelle: beim Ausbau des kostenlosen Nahverkehrs, bei der Sanierung von Schulen und Krankenhäusern oder bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Echte Sicherheit entsteht nicht durch militärische Stärke, sondern durch soziale Gerechtigkeit und eine funktionierende Infrastruktur für alle.
Die stabile Inflationsrate bietet die Chance, den Fokus endlich wieder auf diese innergesellschaftlichen Aufgaben zu lenken. Es braucht Investitionen in den sozialen Frieden, nicht in weitere Konfrontation. Die Priorität muss darauf liegen, die alltäglichen finanziellen Sorgen der breiten Bevölkerung zu lindern, anstatt ökonomische Spielräume für geopolitische Machtprojektionen zu nutzen.
Quelle: presse@destatis.de | Bild: Pixabay



