Ruhrgebiet im Umbruch: Zwischen Maloche, Fußball und neuen politischen Realitäten
Das Ruhrgebiet, einst stolzes Zentrum der deutschen Schwerindustrie, ringt auch im Jahr 2026 mit den Folgen des Strukturwandels. Die Zechen sind dicht, die Stahlkocher weniger, und die berühmte „Maloche“ hat sich in vielen Bereichen in prekäre Beschäftigung verwandelt. Während einige Zukunftsforscher von einem spürbaren Wachstum von 1,1 Prozent für 2026 in NRW sprechen, blicken die Unternehmen im Revier eher pessimistisch auf das Jahr. Hohe Steuern, Bürokratie und strukturelle Probleme belasten die Wirtschaft. Viele Betriebe planen sogar einen Stellenabbau.
Wirtschaftliche Lage angespannt
Eine aktuelle Konjunkturumfrage der Arbeitgeberverbände Ruhr/Westfalen unter 420 Mitgliedsbetrieben zeigt, dass rund 69 Prozent der Unternehmen mit einer gleichbleibend schlechten oder sogar schlechteren Geschäftsentwicklung rechnen. Besonders bei Inlandsaufträgen und Umsätzen überwiegt die Skepsis: Über 72 Prozent der Betriebe erwarten stagnierende oder rückläufige Aufträge im Inland, während das Auslandsgeschäft nur geringfügig positiver eingeschätzt wird. Knapp 65 Prozent der Unternehmen gehen von keiner Verbesserung oder sogar einer Verschlechterung der Auslandsaufträge aus. Die Umfrage zeigt zudem, dass 40 Prozent der Unternehmen einen Stellenabbau planen, während 52 Prozent keine Veränderungen beim Personalbestand erwarten.
Arbeitslosigkeit und soziale Schieflage
Die Arbeitslosigkeit ist weiterhin ein Problem, auch wenn sie im Oktober 2025 leicht sank. Insgesamt waren im Oktober 279.312 Menschen im Ruhrgebiet arbeitslos gemeldet, was einer Quote von 10,1 Prozent entspricht. Besonders betroffen sind Gelsenkirchen (15,2 Prozent) und Duisburg (13,1 Prozent). Die Jugendarbeitslosigkeit und die Langzeitarbeitslosigkeit bleiben eine Herausforderung. Viele Menschen haben Schwierigkeiten, passende Angebote im ersten Arbeitsmarkt zu finden.
Ein weiteres Problem ist die wachsende Armut, besonders in Städten wie Oberhausen. Hier waren im November 2025 11,3 Prozent der Erwerbsbevölkerung ohne Arbeit. Niedrige Löhne und hohe Sozialausgaben belasten die Kommunen.
Politische Verschiebungen im Revier
Die politische Landschaft im Ruhrgebiet ist im Wandel. Die SPD, einst unangefochtene „Herzkammer der Sozialdemokratie“, bröckelt. Die AfD konnte in den letzten Jahren auch im Ruhrgebiet zulegen. Bei der Kommunalwahl 2020 kam sie auf fünf Prozent, und es wird erwartet, dass sie diesmal deutlich zulegen wird. Grund dafür ist eine allgemeine Unzufriedenheit mit der Politik und Zukunftsängste vieler Menschen.
Fußball als Hoffnungsträger?
Der Fußball spielt im Ruhrgebiet traditionell eine wichtige Rolle. Vereine wie Borussia Dortmund, Schalke 04 und der VfL Bochum sind wichtige Identifikationsanker für die Menschen in der Region. Ob die Leistungen der Vereine auf dem Rasen aber die sozialen und wirtschaftlichen Probleme überdecken können, bleibt fraglich.
Lichtblicke und Zukunftsperspektiven
Trotz aller Probleme gibt es auch positive Entwicklungen im Ruhrgebiet. Initiativen zur Förderung von Innovation und Nachhaltigkeit, wie beispielsweise das Projekt „Freiheit Emscher“ in Bottrop und Essen, zeigen, dass die Region sich wandeln will. Auch die Vorbereitungen für die Manifesta 16, die 2026 im Ruhrgebiet stattfindet, bieten die Chance, das Revier als Kulturstandort neu zu positionieren. Wichtig ist, dass die Politik die Zeichen der Zeit erkennt und die notwendigen Rahmenbedingungen schafft, um den Strukturwandel erfolgreich zu gestalten.
Bildquelle: Pixabay – Dieser Beitrag wurde erstellt von Redaktion Ruhr



