Insolvenzen im Dezember 2025 um 15,2 Prozent gestiegen

Insolvenzen im Dezember 2025 um 15,2 Prozent gestiegen

Insolvenzwelle setzt sich fort: Dezember 2025 verzeichnet deutlichen Anstieg

Wiesbaden. Die wirtschaftliche Schieflage in Deutschland vertieft sich weiter. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, stieg die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen im Dezember 2025 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 15,2 Prozent. Diese vorläufigen Zahlen folgen einem bereits im Herbst erkennbaren Trend: Schon im Oktober 2025 lagen die Unternehmensinsolvenzen 4,8 Prozent und die Verbraucherinsolvenzen 7,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahres.

Die Statistik bildet dabei nur die Spitze des Eisbergs ab. Da die Anträge erst nach einer ersten gerichtlichen Entscheidung erfasst werden, liegt der eigentliche Zeitpunkt der finanziellen Krise in vielen Fällen etwa drei Monate zurück. Die aktuellen Daten sind somit ein verzögertes, aber deutliches Alarmsignal für den Zustand der Realwirtschaft und die finanzielle Not vieler Haushalte.

Mehr als eine konjunkturelle Delle

Der anhaltende Anstieg der Insolvenzzahlen spricht nicht von einer vorübergehenden Schwächephase, sondern von strukturellen Problemen. Während große Konzerne oft mit staatlichen Hilfen oder auf Kosten der Belegschaft saniert werden, trifft es mittelständische Betriebe und Privatpersonen mit voller Härte. Die Gründe sind vielfältig: Nachwirkungen hoher Energiekosten, gestiegene Kreditzinsen, eine nachlassende Nachfrage und ein hartnäckiger Kaufkraftverlust bei weiten Teilen der Bevölkerung.

Besonders bedenklich ist der deutliche Anstieg der Verbraucherinsolvenzen. Er ist ein direkter Indikator dafür, dass für viele Menschen am Monatsende nicht mehr genug Geld übrig bleibt, um Rechnungen zu bezahlen. In einer Phase, in der gleichzeitig über Leistungskürzungen im Sozialbereich und eine weiter steigende Rentenaltersgrenze diskutiert wird, zeigt sich hier die soziale Schieflage der Wirtschaftspolitik der letzten Jahre.

Wer trägt die Last der Krise?

Die Insolvenzstatistik ist auch eine Frage der Verteilung. Während Vermögen und Unternehmensgewinne in bestimmten Sektoren weiter wachsen, müssen andere die Risiken des Marktes alleine tragen. Die politische Antwort darauf darf nicht sein, Menschen mit geringem Einkommen noch stärker unter Druck zu setzen oder sie gegeneinander auszuspielen. Stattdessen stellt sich die Frage, warum die Lasten der wirtschaftlichen Anpassung immer von denen getragen werden müssen, die am wenigsten zur Krise beigetragen haben.

Eine funktionierende soziale Infrastruktur, existenzsichernde Löhne und ein Schutz vor Verarmung im Alter wären die eigentlichen Stabilitätsanker in unsicheren Zeiten. Doch genau hier wird seit Jahren gekürzt und verschlankt. Jeder Euro, der in steigende Rüstungsausgaben oder in die Entlastung von Spitzenverdienern fließt, fehlt an dieser Stelle. Die Folge sind leere Kassen bei Familien und kleinen Unternehmen, während die Profite in anderen Bereichen privatisiert werden.

Die Zahlen aus Wiesbaden sind mehr als eine trockene Statistik. Sie sind der Ausdruck einer wirtschaftlichen Entwicklung, die soziale Sicherheit aushöhlt und die Grundfesten des gesellschaftlichen Zusammenhalts bedroht. Eine Politik, die hier nicht gegensteuert, nimmt weitere soziale Verwerfungen billigend in Kauf.

Quelle: presse@destatis.de | Bild: Pixabay