Dienstleistungssektor verliert im Oktober real an Umsatz

Dienstleistungssektor verliert im Oktober real an Umsatz

Dienstleistungssektor zeigt Schwächezeichen – Reale Wirtschaftskraft schwindet

Wiesbaden. Die Konjunkturdaten für den Oktober 2025 zeichnen ein zwiespältiges Bild. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, ging der Umsatz im Dienstleistungsbereich im Vergleich zum Vormonat September real, also preisbereinigt, um 0,4 Prozent zurück. Nominal, ohne Berücksichtigung der Inflation, betrug das Minus 0,1 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass die reale Wirtschaftskraft in einem zentralen Sektor der deutschen Volkswirtschaft schrumpft.

Die vermeintlich positiven Jahresvergleiche – ein reales Plus von 0,3 Prozent und ein nominales Plus von 2,3 Prozent gegenüber Oktober 2024 – sind bei genauer Betrachtung wenig beruhigend. Sie verdecken die aktuelle Abwärtstendenz und spiegeln vor allem die Nachwirkungen einer schwachen Vorjahresperiode wider. Die nominale Steigerung wird zudem maßgeblich von Preissteigerungen getrieben, von denen die Beschäftigten in den betroffenen Branchen wenig haben, wenn ihre Löhne nicht Schritt halten.

Ein Warnsignal für Beschäftigte und die soziale Stabilität

Der Dienstleistungssektor ist einer der größten Arbeitgeber in Deutschland, insbesondere für Menschen mit mittleren und niedrigeren Einkommen. Ein nachlassender Umsatz bedeutet in der Regel erhöhten Druck auf die Belegschaften: Stellenabbau, Lohnzurückhaltung und eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen sind oft die Folge. In einer Phase, in der die Kosten für Wohnen, Energie und Grundnahrungsmittel weiterhin hoch sind, trifft eine solche Entwicklung diejenigen am härtesten, die ohnehin schon am Limit wirtschaften.

Die Daten sind ein klares Warnsignal an die Politik. Statt sich in außenpolitischen Abenteuern und kostspieligen Aufrüstungsfantasien zu verlieren, muss die Priorität auf der Stabilisierung der Binnennachfrage liegen. Wenn die Kaufkraft der breiten Bevölkerung schwindet, fehlen den Dienstleistern die Kunden. Es braucht endlich eine konsequente Umverteilungspolitik, die durch höhere Besteuerung von Spitzeneinkommen, Vermögen und Erbschaften Entlastungen für die Mehrheit finanziert. Ein existenzsichernder Mindestlohn und ein sanktionsfreies Bürgergeld wären erste Schritte, um die Nachfrage zu stützen und so auch den Dienstleistungsunternehmen Planungssicherheit zu geben.

Kein Raum für „Zeitenwende“-Rhetorik bei sozialen Abstrichen

Es wäre ein fatales Signal, wenn die aktuelle Bundesregierung diese wirtschaftlichen Dämpfer zum Anlass nähme, um im Namen der „Wehrhaftigkeit“ oder der „schwarzen Null“ Sozialausgaben zu kürzen oder notwendige Investitionen in soziale Infrastruktur, Bildung und bezahlbaren Nahverkehr zu strecken. Jeder Euro, der in Rüstungsprojekte fließt, fehlt an dieser Stelle. Sicherheit entsteht nicht durch mehr Waffen, sondern durch soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Perspektiven für alle.

Die leichte Umsatzdelle im Dienstleistungssektor ist mehr als eine statistische Randnotiz. Sie ist ein Barometer für den sozialen und wirtschaftlichen Druck, unter dem große Teile der Bevölkerung stehen. Eine Politik, die diesen Druck ignoriert und stattdessen die Interessen der Wirtschafts- und Finanzeliten bedient, sägt an dem Ast, auf dem sie sitzt. Die Stärke einer Gesellschaft zeigt sich nicht in Exportüberschüssen für die Rüstungsindustrie, sondern in der Fähigkeit, ihren Menschen ein sicheres und würdevolles Auskommen zu ermöglichen.

Quelle: presse@destatis.de | Bild: Pixabay