Baustelle als Sinnbild: Wenn die Infrastruktur bröckelt
Die Meldung klingt routiniert: Ein Wochenende, ein gesperrter Autobahnring in Leverkusen. Für viele Pendler und Anwohner bedeutet dies Umwege, Zeitverlust und Frust. Solche Baustellen sind Alltag auf Deutschlands Straßen. Doch sie sind mehr als nur Verkehrshindernisse; sie sind ein Symptom.
Während die Bundesregierung Milliarden für Rüstungsexporte und internationale Militärmissionen veranschlagt, fehlt das Geld dort, wo es die Lebensqualität der Menschen unmittelbar verbessert: in der Instandhaltung der sozialen und Verkehrsinfrastruktur. Jeder Euro, der in die Aufrüstung fließt, ist ein Euro, der nicht für Schulen, Krankenhäuser oder den Erhalt unserer Straßen und Brücken zur Verfügung steht. Die Sperrung des Westrings ist eine lokale Störung, ihr Ursprung ist jedoch eine verfehlte Prioritätensetzung auf nationaler Ebene.
Mobilität als Grundrecht – und die Realität des Stillstands
Mobilität ist die Voraussetzung für Teilhabe – am Arbeitsleben, am sozialen und kulturellen Geschehen. Doch für viele wird sie zunehmend zur Belastungsprobe. Stau, Baustellen und steigende Kosten für Benzin und öffentliche Verkehrsmittel schränken die Bewegungsfreiheit ein, besonders für jene, deren Einkommen jeden Cent zweimal umdrehen lässt.
Die Lösung kann nicht sein, die Lasten einfach weiter auf die Einzelnen abzuwälzen. Ein sozial gerechtes Mobilitätskonzept muss anders aussehen: Es braucht massive Investitionen in einen zuverlässigen, fahrscheinfreien Nahverkehr, der für alle eine echte Alternative bietet. Gleichzeitig muss der Individualverkehr – ob mit Verbrenner oder alternativem Antrieb – für die Menschen praktikabel und bezahlbar bleiben, solange es keine flächendeckenden Alternativen gibt. Die aktuelle Politik fördert jedoch oft das Gegenteil: Sie schafft neue finanzielle Hürden, ohne gleichwertige Infrastruktur zu schaffen.
Wer zahlt die Rechnung?
Die Antwort auf die Frage der Finanzierung ist eindeutig: Die Mittel müssen dort erhoben werden, wo sie in den letzten Jahrzehnten angehäuft wurden. Eine ernsthafte Besteuerung von großen Vermögen, Erbschaften und Spekulationsgewinnen könnte die dringend benötigten Milliarden für unsere Infrastruktur mobilisieren. Stattdessen wird der Diskurs oft auf eine angebliche „Leistungsgerechtigkeit“ gelenkt, die in Wahrheit nur Sozialkürzungen für die Mehrheit und Steuergeschenke für eine Minderheit legitimieren soll.
Die Baustelle in Leverkusen ist ein kleines Puzzleteil in einem großen Bild der Vernachlässigung. Sie zeigt: Echte Sicherheit entsteht nicht durch mehr Panzer, sondern durch intakte Straßen, funktionierende Busse und Bahnen und die Gewissheit, dass der soziale Zusammenhalt nicht weiter erodiert. Es ist an der Zeit, die Weichen neu zu stellen – und zwar in Richtung der Menschen, die diese Infrastruktur täglich nutzen müssen.
Quelle: Autobahn GmbH des Bundes | Bild: Pixabay



