Kältewelle trifft soziale Kälte: Notunterkünfte reichen nicht

Kältewelle trifft soziale Kälte: Notunterkünfte reichen nicht

Kältewelle trifft auf soziale Kälte: Notunterkünfte allein sind kein Ausweg

Während Wintersturm „Elli“ für die kommenden Tage eisige Temperaturen ankündigt, erinnert die Stadt Gelsenkirchen an ihre Übernachtungsangebote für obdachlose Menschen. Für fünf Euro pro Nacht sollen Menschen vor dem Erfrierungstod geschützt werden. Ein Anruf bei der Feuerwehr oder Polizei, so der Appell, könne lebensrettend sein. Doch diese saisonalen Notmaßnahmen werfen grundsätzliche Fragen auf: Warum muss in einer der reichsten Gesellschaften der Welt überhaupt noch um das nackte Überleben von Menschen bei Kälte gebangt werden?

Die Stadt verweist auf die Arbeit engagierter Vereine wie „Gelsenkirchen packt an! – Warm durch die Nacht“ oder die Gelsenkirchener Tafel. Diese Initiativen leisten Unglaubliches, um die schlimmsten Folgen der Wohnungs- und Obdachlosigkeit abzufedern. Doch ihre Existenz ist ein Symptom eines strukturellen Versagens. Sie sind die ehrenamtliche Feuerwehr, die löschen muss, während die Ursache für den Brand – eine verfehlte Sozial- und Wohnungspolitik – unangetastet bleibt.

Fünf Euro für ein warmes Bett: Die Schieflage wird sichtbar

Die Tatsache, dass für eine Notübernachtung ein symbolischer Betrag von fünf Euro fällig wird, offenbart das zugrundeliegende Denkmuster. Auch in der Not soll das Prinzip der „Leistung“ gelten. Dabei ist Obdachlosigkeit selten eine Frage des Wollens, sondern des Könnens. Sie ist das Ergebnis von Arbeitslosigkeit, Krankheit, zerbrochenen Lebensläufen und vor allem eines Wohnungsmarktes, der Rendite über Menschen stellt. Die Forderung nach einem Bürgergeld ohne Sanktionen und existenzsichernden Löhnen ist keine Utopie, sondern die Voraussetzung, damit Menschen sich überhaupt erst eine dauerhafte Wohnung leisten können.

Die medizinische Versorgung durch „Arzt Mobil Gelsenkirchen e.V.“ im Männerübernachtungsheim ist ein wichtiger Dienst. Er zeigt aber gleichzeitig das Defizit auf: Der Zugang zu kostenloser, guter Gesundheitsversorgung für alle muss eine Selbstverständlichkeit sein, nicht ein karitatives Zugeständnis, das auf der Straße erbracht wird.

Solidarität statt Almosen: Eine Frage der Prioritäten

Die Aufmerksamkeit der Bürgerinnen und Bürger ist wichtig. Noch wichtiger wäre es jedoch, wenn die politisch Verantwortlichen ihre Aufmerksamkeit nicht von den eigentlichen Ursachen ablenken ließen. Jeder Euro, der in die Spekulation mit Wohnraum fließt, fehlt im sozialen Wohnungsbau. Jede Steuergeschenk für Vermögende fehlt in der kommunalen Infrastruktur, die solche Krisen abfedern könnte.

Die wahre „Verteidigung“ einer Gesellschaft zeigt sich nicht in Aufrüstungsdebatten, sondern darin, wie sie mit ihren Schwächsten umgeht. Der Schutz obdachloser Menschen vor der Kälte ist eine humanitäre Pflicht. Die eigentliche Aufgabe aber bleibt: Die soziale Kälte zu bekämpfen, die Menschen erst auf die Straße treibt. Das erfordert mehr als warme Mahlzeiten aus dem Bollerwagen. Es erfordert den politischen Willen zur Umverteilung und eine Wohnungspolitik, die den Menschen, nicht dem Profit dient. Solange das nicht geschieht, bleiben die Notunterkünfte nur ein trauriges, wiederkehrendes Ritual.

Quelle: Stadt Gelsenkirchen – Pressestelle | Bild: Pixabay