Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten in der zentraliranischen Provinz Isfahan sind am 4. Januar 2026 mindestens drei Menschen getötet worden. Die Proteste richteten sich gegen die anhaltende Wasserknappheit und die Umleitung von Wasserressourcen.
Chronologie der Ereignisse
Die Proteste begannen am Morgen des 4. Januar in mehreren Dörfern des Kreises Falavarjan, darunter in Varnamkhast und Zarrinshahr. Nach Angaben des in Oslo ansässigen Iran Human Rights (IHR) versammelten sich zunächst mehrere hundert Landwirte und Einwohner, um gegen die Wasserknappheit und die Ableitung von Wasser aus dem Zayandeh-Rud-Fluss in andere Provinzen zu demonstrieren. Gegen 10:30 Uhr Ortszeit trafen Sicherheitskräfte der Revolutionsgarden und der Basij-Miliz ein, um die Versammlung aufzulösen.
Augenzeugen berichteten dem Nachrichtenportal „Iran Wire“, dass die Sicherheitskräfte scharfe Munition und Tränengas einsetzten. Bei den Schusswechseln wurden laut IHR mindestens drei Demonstranten getötet. Die staatliche Nachrichtenagentur IRNA bestätigte am 5. Januar zwei Tote und nannte als Ursache „Schüsse unbekannter Schützen“. Lokale Aktivisten identifizierten einen der Getöteten als Mehdi Gholami, einen 32-jährigen Landwirt aus Varnamkhast.
Hintergrund der Wasserkrise
Die Provinz Isfahan, insbesondere die Landwirtschaft, leidet seit Jahren unter einer schweren Dürre. Der Wasserstand des Zayandeh-Rud, der Lebensader der Region, ist auf ein historisches Tief gesunken. Ein zentraler Konfliktpunkt ist das seit langem umstrittene Projekt, Wasser aus dem Fluss in die Provinz Yazd umzuleiten. Dieses Projekt wurde unter der Regierung von Präsident Ebrahim Raisi vorangetrieben, um die industrielle Entwicklung in Yazd zu fördern.
Bereits im November 2021 hatten massive Proteste von Landwirten in Isfahan die nationale Aufmerksamkeit auf die Wasserkrise gelenkt. Damals besetzten Tausende wochenlang das trockene Flussbett des Zayandeh-Rud. Die jetzigen Proteste sind eine erneute Eskalation dieses ungelösten Konflikts. Das iranische Landwirtschaftsministerium gab im Dezember 2025 bekannt, dass die Wasserreserven in den Staudämmen der Provinz Isfahan im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gesunken sind.
Reaktionen und Folgen
Der Gouverneur der Provinz Isfahan, Abbas Rezaei, erklärte am 6. Januar, die Situation sei „unter Kontrolle“ und warnte vor „Provokationen durch ausländische Feinde“. Gleichzeitig kündigte er an, eine Delegation werde die Beschwerden der Landwirte prüfen. Das staatliche Fernsehen zeigte Bilder von reparierten Wasserleitungen, die während der Proteste beschädigt worden sein sollen.
Nach Informationen von „Radio Farda“ wurden in den Tagen nach dem Vorfall mindestens 15 Personen in Isfahan und benachbarten Städten festgenommen, darunter der bekannte Umweltaktivist Arash Sedaghati. Das Justizsystem der Provinz drohte mit „harten Strafen“ für diejenigen, die „die öffentliche Ordnung stören“. Die Internetverbindung in den betroffenen Gebieten war laut der Überwachungsorganisation NetBlocks am 4. und 5. Januar erheblich gestört.
Bildquelle: Pixabay



