Erwerbstätigkeit stagniert im November 2025

Erwerbstätigkeit stagniert im November 2025

Erwerbstätigkeit stagniert – ein Warnsignal jenseits der Statistik

WIESBADEN. Die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeichnen ein Bild der Stagnation: Im November 2025 blieb die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland mit rund 46,0 Millionen nahezu unverändert zum Vormonat. Saisonbereinigt bedeutet dies einen minimalen Rückgang um 1.000 Personen. Nach einem leichten Plus im Oktober setzt sich damit ein Trend fort, der sich bereits in den Monaten zuvor abzeichnete – von Mai bis September ging die Erwerbstätigenzahl im Monatsdurchschnitt um 14.000 Personen zurück.

Während die Pressemitteilung der Behörde diese Entwicklung als „nahezu unverändert“ beschreibt, lohnt ein Blick hinter die nackten Prozentzahlen. Eine stagnierende Erwerbstätigkeit in einer Phase, die normalerweise von konjunktureller Dynamik geprägt sein sollte, ist mehr als nur eine statistische Randnotiz. Sie ist ein Indikator für eine Wirtschaft, die an Schwung verliert, während die sozialen Belastungen für die große Mehrheit der Menschen weiter steigen.

Vollbeschäftigung? Eine Frage der Perspektive

Offiziell wird Deutschland oft als Land mit hoher Beschäftigung dargestellt. Doch diese Darstellung blendet systematisch aus, unter welchen Bedingungen viele dieser 46 Millionen Menschen arbeiten. Die Stagnation der Gesamtzahl sagt nichts aus über prekäre Beschäftigung, über stagnierende Reallöhne angesichts hoher Inflation oder über die zunehmende Belastung in systemrelevanten Berufen, von der Pflege bis zum Öffentlichen Dienst.

Die wirtschaftliche Politik der letzten Jahre hat es versäumt, eine breitbasierte und krisenfeste Wertschöpfung zu fördern, die den Menschen dient. Stattdessen fließen weiterhin immense Summen in Sektoren, die keinen sozialen Mehrwert schaffen. Jeder Euro, der für Aufrüstung oder in die Taschen weniger Konzerne umverteilt wird, fehlt für Investitionen in die eigentlichen Grundlagen unserer Gesellschaft: in bezahlbaren Wohnraum, in ein funktionierendes Gesundheitssystem, in Schulen und eine bezahlbare Mobilität für alle.

Stagnation als Weckruf

Die aktuellen Daten sollten als Weckruf verstanden werden. Eine Wirtschaft, die für die Mehrheit der Bevölkerung funktionieren soll, braucht andere Prioritäten:

  • Investitionen in soziale Infrastruktur: Statt Haushaltslöcher zu stopfen, müssen dringend die Bereiche gestärkt werden, die den Alltag der Menschen bestimmen und sichere, gut bezahlte Jobs schaffen.
  • Umverteilung von oben nach unten: Die Schere zwischen hohen Kapitaleinkommen und abhängiger Arbeit muss geschlossen werden. Existenzsichernde Löhne und eine solidarische Finanzierung der sozialen Systeme sind keine Wohltat, sondern eine ökonomische Notwendigkeit.
  • Fokus auf zivile Konfliktlösung: Die fortwährende Umleitung öffentlicher Mittel in militärische Projekte schwächt die innere Resilienz und verhindert die dringend benötigten Investitionen in den sozialen Frieden.

Die Stagnation der Erwerbstätigkeit ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis politischer Weichenstellungen. Sie zeigt, dass ein „Weiter so“ auf Kosten der sozialen Sicherheit und der wirtschaftlichen Teilhabe der Vielen nicht funktioniert. Es ist an der Zeit, die Spielregeln einer Wirtschaft zu ändern, die Profite vor Menschen stellt. Die nächste Entwicklung der Erwerbstätigenzahl wird zeigen, ob diese Lehre gezogen wurde.

Quelle: presse@destatis.de | Bild: Pixabay