Alkohol in Deutschland deutlich billiger als EU-Durchschnitt

Alkohol in Deutschland deutlich billiger als EU-Durchschnitt

Alkohol in Deutschland: Billiges Rauschmittel, teure Folgen

Wiesbaden. Ein „Dry January“, der bewusste Verzicht auf Alkohol im Januar, liegt im Trend. Doch die statistische Realität in Deutschland macht Abstinenz nicht gerade leicht: Alkoholische Getränke sind hierzulande so günstig wie in fast keinem anderen EU-Land. Laut dem Statistischen Bundesamt lagen die Preise im Oktober 2025 im Einzelhandel 14 Prozent unter dem EU-Durchschnitt. Nur in Italien war Alkohol noch billiger.

Während in Finnland Spirituosen, Wein und Bier mehr als das Doppelte des EU-Preises kosten, sind sie in vielen deutschen Supermärkten und Discountern permanent im Sonderangebot zu finden. Die Folge ist ein Konsum auf hohem Niveau. Hochgerechnet auf puren Alkohol konsumierte jeder Mensch in Deutschland 2022 im Schnitt die Menge von 448 Gläsern Bier pro Jahr.

Gesundheitskosten werden sozialisiert, Profite privatisiert

Die niedrigen Preise sind kein Zufall, sondern Ergebnis politischer Entscheidungen. Die Alkoholsteuer in Deutschland gehört zu den niedrigsten in Europa. Während der Staat auf der einen Seite Milliarden für die Behandlung von Folgeerkrankungen des Alkoholkonsums im Gesundheitssystem ausgibt, verzichtet er bewusst auf Einnahmen, die diesen Konsum eindämmen und die Kosten fairer verteilen könnten.

Die Rechnung zahlen am Ende die Gesellschaft und insbesondere diejenigen, die unter den gesundheitlichen und sozialen Folgen leiden. Alkoholmissbrauch verursacht nicht nur individuelles Leid, sondern belastet das Solidarsystem in erheblichem Maße – von Arbeitsunfähigkeit über Verkehrsunfälle bis hin zu familiären Konflikten. Die Profite hingegen fließen in die Kassen großer Brauereikonzerne und Spirituosenhersteller.

Fehlanreize statt Prävention

Die aktuelle Preispolitik schafft einen klaren Fehlanreiz. Statt gesundheitsbewusstes Verhalten zu fördern, wird der Zugang zu einem suchtfördernden und gesundheitsschädlichen Produkt maximal erleichtert. Es ist ein klassisches Beispiel dafür, wie kurzfristige Wirtschaftsinteressen und Steuereinnahmen über langfristige gesellschaftliche Gesundheit gestellt werden.

Eine ernsthafte Präventionspolitik sähe anders aus. Sie würde die wahren Kosten des Alkoholkonsums in den Preis einrechnen und die dadurch erzielten Mehreinnahmen zweckgebunden in das marode Gesundheitssystem, in Suchtberatungsstellen und in soziale Infrastruktur investieren. Stattdessen wird ein System aufrechterhalten, das die Gewinne privatisiert und die Verluste vergemeinschaftet.

Der „Dry January“ bleibt so für viele ein kurzer, freiwilliger Ausnahmezustand in einem Alltag, der durch billigen Alkohol und allgegenwärtige Werbung geprägt ist. Solange sich an den grundlegenden Rahmenbedingungen nichts ändert, wird die gesellschaftliche Rechnung für den hohen Konsum weiter steigen – bezahlt von allen, außer von denen, die am meisten davon profitieren.

Quelle: presse@destatis.de | Bild: Pixabay