Einleitung
Ein schwerwiegender Stromausfall hat am 27. Dezember 2025 weite Teile Nordindiens für über 14 Stunden lahmgelegt. Nach Angaben des staatlichen Netzbetreibers Grid Controller of India Limited (Grid-India) waren mindestens 300 Millionen Menschen in den Bundesstaaten Delhi, Uttar Pradesh, Punjab, Haryana, Rajasthan und Uttarakhand betroffen.
Chronologie und Details des Vorfalls
Der Zusammenbruch begann um 02:47 Uhr Ortszeit im 400-Kilovolt-Umspannwerk in Mandola, Uttar Pradesh. Laut einer ersten Stellungnahme von Grid-India führte ein technischer Defekt an einem Leistungstransformator zu einer Kettenreaktion, die innerhalb von 9 Minuten das nördliche Verbundnetz kollabieren ließ. Der Energieverlust wurde auf 35.000 Megawatt geschätzt. Der Chefingenieur des Umspannwerks Mandola, Rajesh Kumar, bestätigte gegenüber Reportern, dass die automatischen Schutzsysteme versagten. Die Stromversorgung für kritische Infrastruktur wie das All India Institute of Medical Sciences (AIIMS) in Delhi und die Metro Delhi wurde erst gegen 05:30 Uhr über Notstromaggregate teilweise wiederhergestellt. Der vollständige Netz-Wiederaufbau wurde um 17:15 Uhr gemeldet.
Folgen und Reaktionen
Der Ausfall hatte massive Auswirkungen: Über 500 Züge der Northern Railways wurden gestrichen oder stark verspätet, darunter 23 Rajdhani-Express-Züge. Der Flughafen Indira Gandhi International (IGI) in Delhi operierte für sechs Stunden im eingeschränkten Notbetrieb, 87 Abflüge wurden annulliert. In den betroffenen Bundesstaaten blieben Wasserversorgungssysteme für durchschnittlich 8 Stunden ausgefallen. Der Minister für Energie und erneuerbare Ressourcen, R. K. Singh, ordnete eine Untersuchung durch ein dreiköpfiges Expertengremium unter Leitung des ehemaligen Power Grid-Chefs I. S. Jha an. Ein vorläufiger Bericht soll bis zum 10. Januar 2026 vorliegen.
Hintergrund: Wiederkehrendes Problem
Der Vorfall ist der schwerste seit dem Blackout vom 30./31. Juli 2012, der damals über 600 Millionen Menschen traf. Seitdem wurden laut einem Bericht der Central Electricity Authority (CEA) vom März 2025 Investitionen in Höhe von umgerechnet 12,6 Milliarden Euro in die Netzmodernisierung getätigt. Kritiker wie der Energieexperte und ehemalige Vorsitzende der Central Electricity Regulatory Commission, Pramod Deo, verweisen jedoch auf anhaltende Probleme: Die durchschnittliche jährliche Unterbrechungsdauer (SAIDI) im nördlichen Netz lag 2024 bei 15,2 Stunden, deutlich über dem nationalen Zielwert von 3 Stunden. Ein Gesetzentwurf zur Stärkung der Netzstabilität (Electricity (Amendment) Bill, 2022) liegt seit über drei Jahren im Parlament auf Eis.
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