Angriff auf Wohngebäude in Qamishli und Amuda
Bei türkischen Luftangriffen auf Ziele im Nordosten Syriens sind am 26. Dezember 2025 mindestens 17 Zivilisten getötet worden. Die Angriffe trafen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) mit Sitz in London Wohngebäude in den Städten Qamishli und Amuda im Gouvernement al-Hasaka.
Chronologie und Opferzahlen
Die Angriffe fanden am Vormittag des 26. Dezember gegen 10:30 Uhr Ortszeit statt. In der Stadt Qamishli, nahe der Grenze zur Türkei, schlugen mehrere Raketen in ein Wohnviertel im Stadtteil al-Antariya ein. Dabei kamen nach SOHR-Angaben 11 Zivilisten ums Leben, darunter vier Kinder. In der etwa 40 Kilometer westlich gelegenen Stadt Amuda traf ein weiterer Angriff ein Wohnhaus und tötete sechs Zivilisten. Unter den insgesamt 17 Toten sind sieben Kinder und vier Frauen. Mindestens 23 weitere Personen wurden verletzt.
Beteiligte Akteure und offizielle Stellungnahmen
Das türkische Verteidigungsministerium bestätigte die Luftoperationen. In einer schriftlichen Erklärung hieß es, die Angriffe hätten sich gegen „terroristische Ziele“ der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) und der mit ihr verbündeten Volksverteidigungseinheiten (YPG) gerichtet. Das Ministerium behauptete, ausschließlich militärische Infrastruktur getroffen zu haben. Die von Kurden geführte Autonomieverwaltung Nord- und Ostsyriens (AANES) wies diese Darstellung zurück. Ihr Ko-Vorsitzender, Badran Ciya Kurd, beschuldigte die Türkei in einer Presseerklärung vom 27. Dezember, vorsätzlich Zivilisten angegriffen zu haben, und nannte die Angriffe „Kriegsverbrechen“.
Hintergrund: Eskalation nach türkischem Drohnenabschuss
Die Luftangriffe folgten auf den Abschuss einer türkischen Kampfdrohne vom Typ Bayraktar TB2 über dem Gebiet von Tal Rifaat im Gouvernement Aleppo am 24. Dezember 2025. Verantwortlich für den Abschuss waren nach Angaben der YPG deren Luftabwehrkräfte. Die Türkei führt seit 2016 mehrere großangelegte Militäroffensiven in Nordsyrien durch, darunter die Operationen „Euphrat-Schild“ (2016), „Olivenzweig“ (2018) und „Friedensquelle“ (2019). Diese zielen darauf ab, eine etwa 30 Kilometer tiefe „Sicherheitszone“ entlang der Grenze zu errichten und die von Ankara als Terrororganisation eingestufte YPG zurückzudrängen. Internationales Recht verbietet Angriffe auf Zivilisten und verlangt eine strikte Unterscheidung zwischen militärischen Zielen und ziviler Infrastruktur.
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