Einleitung
Die Staatsanwaltschaft Mailand hat am 23. Dezember 2025 Anklage gegen 13 Personen erhoben. Sie werden für den Tod von fünf Arbeitern verantwortlich gemacht, die am 12. November 2024 auf einer Baustelle in der Via dei Giardini in Mailand von einem einstürzenden Kran erschlagen wurden.
Hauptteil: Chronologie und Details
Der Unfall ereignete sich um 10:30 Uhr auf der Baustelle des Wohnkomplexes „Giardini di Porta Nuova“. Ein 50 Meter hoher Turmdrehkran stürzte ein und begrub die Arbeiter unter sich. Die Opfer wurden als Giuseppe La Rosa (54), Marco Rossi (48), Alessandro Conti (39), Davide Ferrari (33) und Youssef Ben Ammar (29) identifiziert. Laut der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft unter Leitung von Chefankläger Marcello Viola waren die Sicherheitsvorkehrungen unzureichend. Die Ermittler fanden heraus, dass die Fundamentplatte des Krans nicht den statischen Anforderungen entsprach und bereits vor dem Unfall Risse aufwies.
Die 13 Angeklagten sind vier Manager der Baufirma „Costruzioni Generali Lombarde S.p.A.“, darunter der Geschäftsführer Roberto Bianchi, drei Verantwortliche des Subunternehmens „Gru Sollevamenti“, das für den Kran zuständig war, sowie sechs Sicherheitsbeauftragte und technische Leiter der Baustelle. Ihnen werden fahrlässige Tötung, Bauvergehen und Verletzung von Arbeitssicherheitsvorschriften vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft stützt sich auf Gutachten der Feuerwehr und des nationalen Instituts für Arbeitssicherheit (INAIL). Ein Augenzeuge, ein Maurer, der namentlich nicht genannt werden möchte, sagte laut Ermittlungsakten aus, dass „die Basis des Krans schon seit Tagen bedenklich aussah“.
Hintergrund: Systematische Sicherheitsmängel
Der Unfall ist kein Einzelfall. Italien verzeichnet eine der höchsten Raten tödlicher Arbeitsunfälle in der EU. Im Jahr 2023 starben nach Angaben von INAIL 1.041 Menschen bei der Arbeit, 2024 waren es bis November bereits über 900. Im Baugewerbe ist das Risiko besonders hoch. Ein Gesetz (Legislative Decree 81/2008) regelt zwar umfassend die Arbeitssicherheit, doch Kontrollen durch die zuständige Behörde (INAIL und ASL) sind aufgrund von Personalmangel oft lückenhaft. Der Mailänder Unfall ereignete sich nur wenige Kilometer entfernt von einem ähnlichen Vorfall im Juli 2023 in Segrate, bei dem drei Arbeiter ums Leben kamen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Verantwortlichen vor, aus Kostengründen notwendige Sicherheitschecks und Wartungen vernachlässigt zu haben. Der Prozessbeginn wird für das zweite Quartal 2026 erwartet.
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