Fokus-Land heute: Sierra Leone
Sierra Leone an der Frontlinie eines neuen globalen Ressourcenkampfes
Sierra Leone, ein kleines, aber ressourcenreiches Land an der Westküste Afrikas, bekannt für seine Diamanten und andere Bodenschätze, findet sich im November 2025 an der vordersten Front eines aufkommenden globalen Konflikts wieder: dem Wettlauf um die kritischen Mineralien Afrikas und der kontroversen Aussicht auf Tiefseebergbau. Während die Weltwirtschaft nach seltenen Metallen dürstet, die für die Energiewende und Hochtechnologie unerlässlich sind, positioniert sich Sierra Leone auf der internationalen Bühne, um die Interessen des Kontinents zu verteidigen und eine gerechte Verteilung der potenziellen Gewinne sicherzustellen.
In den letzten zwei Wochen hat die Debatte um die Ausbeutung kritischer Mineralien, sowohl an Land als auch in den noch unberührten Tiefen der Ozeane, in Sierra Leone und auf der globalen Bühne, auf der das Land in diesem Monat eine wichtige Rolle spielt, an Dringlichkeit gewonnen. Während die Weltbank die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit Sierra Leones lobt, warnt sie gleichzeitig vor einer tiefgreifenden Beschäftigungskrise, da das Land jährlich 75.000 neue Arbeitsplätze schaffen müsste, aber nur etwa 41.000 generiert. Diese internen wirtschaftlichen Herausforderungen bilden den Hintergrund für die Diskussionen über die Zukunft der Rohstoffgewinnung.
Das Internationale Währungsfonds (IWF) hat zwar eine Einigung über eine erweiterte Kreditfazilität erzielt, die ein Wirtschaftswachstum von 4,4 Prozent für 2025 prognostiziert, doch bleiben die geringen Devisenreserven der Zentralbank und die Nichterfüllung zugesagter Sozialausgaben ein Problem. Diese makroökonomische Fragilität macht das Land anfällig für die Verlockungen und Risiken globaler Investitionen in den Rohstoffsektor.
Afrikas Stimme im UN-Sicherheitsrat
Im November übernahm Sierra Leone die rotierende Präsidentschaft des UN-Sicherheitsrates. Eine der obersten Prioritäten des Landes war es, Afrika in den Mittelpunkt der Friedens- und Sicherheitsagenda zu stellen, wobei Themen wie Ernährungsunsicherheit, Klimarisiken und die Verbreitung von Kleinwaffen hervorgehoben wurden. Doch es ist die Rolle Sierra Leones als Vertreter der Afrikanischen Gruppe in der Diskussion um den Tiefseebergbau, die in diesem Monat besondere Beachtung verdient hat.
Der Tiefseebergbau (DSM) zielt darauf ab, wichtige Mineralien wie Kobalt, Kupfer und Seltene Erden vom Meeresboden zu gewinnen. Diese Entwicklung birgt erhebliche Risiken und Herausforderungen für Afrika. Sierra Leone hat im Namen der Afrikanischen Gruppe kritische Bedenken geäußert, darunter die potenziellen negativen Auswirkungen auf die bestehenden landbasierten Bergbauökonomien, die Notwendigkeit robuster regulatorischer Rahmenbedingungen und fairer Finanzmodelle für eine gerechte Vorteilsbeteiligung.
Der globale Mineralienrausch und seine Implikationen
Die Nachfrage nach kritischen Mineralien führt zu einem entscheidenden Moment für Afrika, da Großmächte wie China und die USA darum wetteifern, die Dominanz über die internationalen Lieferketten zu erlangen. Die USA, insbesondere unter der Trump-Administration, drängen auf die Erkundung von Meeresbodenmineralien, um ihre Versorgung mit kritischen Rohstoffen zu sichern. Diese Bestrebungen stehen im Widerspruch zu langjährigen multilateralen Bemühungen zum Schutz der Meeresressourcen und dem Prinzip des „gemeinsamen Erbes der Menschheit“, das besagt, dass die Meeresressourcen zum Wohle aller zu regieren sind.
Aus der Perspektive der Menschen in Sierra Leone und ganz Afrika ist dieser globale Wettlauf nicht nur eine wirtschaftliche Chance, sondern auch eine Bedrohung. Die Geschichte des Kontinents ist gezeichnet von der Ausbeutung seiner Ressourcen, die oft nicht den Menschen vor Ort zugutekam, sondern mächtigen externen Akteuren und korrupten Eliten. Eine kritische Haltung gegenüber den Mächtigen – seien es Regierungen oder Konzerne – ist hier unerlässlich. Es darf keine Kompromisse mit jenen geben, die aus Armut oder Machtmissbrauch Profit schlagen wollen.
Die Sorge ist groß, dass der Tiefseebergbau die landbasierten Mineralmärkte stören könnte, was besonders alarmierend für Länder wie Sierra Leone ist, die auf den Export von Metallen angewiesen sind. Um soziale Gerechtigkeit zu gewährleisten, muss die Umverteilung von oben nach unten erfolgen. Das bedeutet, dass die Gewinne aus der Rohstoffgewinnung nicht nur den Eliten oder ausländischen Konzernen zugutekommen dürfen, sondern in existenzsichernde Löhne, Gesundheitsversorgung und soziale Infrastruktur fließen müssen.
Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit statt Ausbeutung
Um die irreversiblen Schäden an den marinen Ökosystemen abzuwenden, fordern Umweltexperten afrikanische Nationen auf, sich zu vereinen und sich für wissenschaftlich fundierte Vorschriften einzusetzen, die die Meeresressourcen schützen. Die Stimmen, die vor einer „Reformmüdigkeit“ warnen und auf die Notwendigkeit einer Stärkung der öffentlichen Finanzverwaltung und der Schuldendienstreduzierung hinweisen, sind von entscheidender Bedeutung.
Sierra Leone steht vor der gewaltigen Aufgabe, seine Wirtschaft zu diversifizieren und Arbeitsplätze für seine wachsende Bevölkerung zu schaffen. Die Entwicklung des Privatsektors ist dabei von entscheidender Bedeutung, wird aber durch mangelnden Zugang zu Finanzmitteln, schlechte Infrastruktur und regulatorische Engpässe behindert. Vor diesem Hintergrund ist die Art und Weise, wie Sierra Leone und Afrika mit dem Tiefseebergbau und dem globalen Mineralienrausch umgehen, von immenser Bedeutung. Es geht nicht nur um Wirtschaftswachstum, sondern um die Frage, ob dieser neue Rohstoffboom zu einer gerechteren Zukunft für die Menschen in Sierra Leone führen oder die Muster der Ausbeutung und Ungleichheit fortsetzen wird. Die internationale Gemeinschaft, die alle Staaten umfasst und nicht nur die westlichen, muss hier eine Rolle spielen, die auf gegenseitigem Respekt und echter Zusammenarbeit basiert, nicht auf dem Diktat der Mächtigen.
Symbolbild: Pixabay / David_Peterson
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